„Wohnzimmerkonzert“ mit Nils Koppruch im Druckluft Oberhausen

Es haben eigentlich nur noch die Couchsessel gefehlt, um die Wohnzimmeratmosphäre perfekt zu machen. Das Konzert im Druckluft war, was den Part von Nils Koppruch betrifft, ein kleines – aber ganz feines.

Die Vorband Alex Amsterdam spielte – entgegen meiner Vermutung – als Duo mit Simon Horn (Keyboard, Gesang) und Alexander Rosin (Gitarre, Gesang). Nachdem bis 21:30Uhr kein massiver Besucheransturm zu erwarten stand, legten sie los. Die beiden boten ihr Programm mit ungebrochenem Optimismus dar. Ihre Bemühungen Stimmung aufkommen zu lassen wurden mit angemessenem Applaus belohnt.

Als Nils anstimmte siedelten auch Gäste, die zuvor im Hof geblieben waren mit Stuhl und Getränk in den Raum um, es füllte sich und der allgemeine Aufmerksamkeitspegel stieg. Manche Gäste schienen persönlich bekannt und wurden von Nils namentlich begrüßt.
Der erste Teil der Lieder stammte weitestgehend vom Album „Den Teufel tun“: Nicht die Bienen (ursprünglich geschrieben für eine Jubiläums-Compilation der „Bear Family Records“) – Mein einziges Lied In die Stille Mit eigenen Augen – Komm Küssen – Oh du lieber Augustin (der ist natürlich nicht auf dem Album!) – Den Teufel Tun (in einer anderen Version mit verzerrten Klängen, hat was).

Natürlich durften Songs aus FINK-Zeiten nicht fehlen: Das Liebste – Immerhinda – Kleines grünes Haus – Vielleicht (sehr schön, hatte ich noch nie live gehört!) – So wie im Film (dTt) – Dies für Dich – Staub und Gold  (dTt) – Loch in der Welt (mein persönliches Highlight, super!) – Wort im Wasser (zu hören auf der HP unter Outtakes & Bootlegs)

Besonders erwähnenswert: ein noch  unbekanntes Stück, das Ständchen für Brecht „Einen Hut kaufen„. Zur Entstehung unten mehr.

Zwischen die Lieder streute Nils kleine Vorträge aus seinem Buch Dilettant, eine Bild- und Textsammlung mit vielen Auszügen aus seinem Arbeiten als Maler. Fiktive Briefe hieraus „An den Freund“, „An den Vater“, „An die Mutter“ sorgten für Lacher.

 

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Als Nils sich nach einer guten Stunde verabschieden wollte, forderten die Anwesenden nachhaltig Zugaben: Er sieht sie an – Ich kümmre mich darum (ihr wißt schon: Nasenhaarschere – aus Silber, Ast – mit Gabel, hellgoländer Krabbensalat  – in Rot, und Weiß …) – Noch nichts ist verlorn. Und wenn man schon so nett gebeten wird: „Komm, mach doch noch so ein, zwei …!“ dann geht auch noch was: Jajaja und zuletzt Hund.

 Zwei Videos hab ich von diesem Abend mitgebracht – der erste Song „Einen Hut kaufen“ entstand anläßlich des Festivals B-Sides, einer mehrtägigen Veranstaltung in Augsburg zum 111.Geburtstag Berthold Brechts. Nils war neben andern namenhaften, deutschen Musikern am 19.02.09 dort eingeladen. Auflage für alle Beteilgten war die Hausaufgabe, ein Ständchen für Brecht zu schreiben. Dieses Lied ist also recht frisch, gibt es auf keinem Tonträger und wurde bislang nur wenige Male live gespielt:

Das zweite Stück „Immerhinda“ erschien auf dem Album FINK (2001):

Alles in allem ein sehr netter Abend mit einem gut gelaunten Nils Koppruch, der locker und sehr sortiert durch das Programm navigiert. Was mir immer wieder besonders gut gefällt ist, daß viele Lieder bei Live-Konzerten einen neuen Schliff bekommen und Nils Details variiert. Das macht es spannend und lohnenswert, auch in oft gehörten Stücken neue Facetten zu entdecken.

DANKE für den wunderschönen Abend!

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