Im Wald gibt´s eine Lichtung, wo´ne Bühne für dich steht …

 

… so atmosphärisch könnte man die Location am Drususstein in der Mainzer Zitadelle beschreiben. Eine Oase im Grünen, sonnenbeschienen bis zur letzten Minute … vor dem Auftritt von Nils Koppruch und seiner Band beim 36.Open Ohr Festival. Dann gab es nicht „Irgendwann Regen“ sondern gleich und heftig! Stimmungskiller? Mitnichten! Ausgelassenes Barfußtanzen, Woodstock-Feeling und Schlammpogo verwandelte den Rasen ohne Grund in diesen schwarzen Teich und manche Textzeile spontan in neue Interpretation mit sumpfigen Tiefgang. Die unbändige und viel fotografierte Begeisterung an der Schlammspringerei wird der Band als auch dem Publikum in historischer Erinnerung kleben bleiben.

Auf der Bühne feierten Nils Koppruch und seine neue und doch altbewährten, sehr harmonisch wirkende  Band ein Comeback in vierköpfiger Besetzung. An Gitarren, Banjo, Pedal Steel Oliver Stangl, am Bass Lars Paetzelt und am Schlagwerk Christoph Kähler. Der durchweg fettere Bandsound gab den Songs des Solo-Albums „Den Teufel tun“ einen neuen Klang und ließ Fanherzen auch außerhalb der Schlammpampe höher schlagen.

Das Repertoire umfaßte ältere FINK-Stücke als da wären: eine großartige Version von „Talking Darum Blues“ als Opener, „Shuffle und Kompott“, „Das Liebste“ oder die Zugaben „Er Sieht sie an …“  und „Irgendwann Regen“. Stark vertreten war auch Nils Solo-Album mit den Stücken „Nicht die Bienen“,  „Komm küssen“, „Mein einzige Lied“, zwei vollkommen neu interpretierte Versionen von „Staub und Gold“ sowie „Den Teufel tun“. Hat man in den vergangenen Jahren diese Stücke live fast nur in One-Man-Band-Version hören können, wurde das musikalische Band-Spektrum gut ausgenutzt  und viele Stücke klangen vertraut und doch frisch und neu arrangiert. Wobei die Freude an der Variation eines Songs an sich schon zu den Qualitäten von Koppruch-Konzerten gehört und jeden (wiederholten) Konzertbesuch lohnenswert machen.  (Anm. der Autorin: dafür liebe ich Koppruch-Konzerte).

Etwa sieben der gespielten Stücke stammten vom neuen Werk alias „Caruso“. Ein Stück, „Hamburger Berg“ das einer Straße in Hamburg gewidmet ist, wurde explizit angekündigt, weiterhin waren zu hören: „Vergessen was ich wußte“, „Wissen mußt du es doch“, „Armer Junge weint, armes Mädchen auch“, „Die Ausssicht“, „Stadt in Angst“, „Kirschen (wenn der Sommer kommt)“. Auch „Wort im Wasser“, das Original zum englischen Titelsong des Films „Madboy“ wird auf „Caruso“ erscheinen. Der Themenkanon Sein, Sinn und Suche wird wohl den Schwerpunkt bilden und ein sehr starker Song „Vergessen was ich wußte“ hat sich als hitverdächtig bereits in Wort und Meldodie in offenen Ohren eingenistet.

Im Grunde hatten alle Beteiligten (außer vielleicht das Technik-Team aufgrund der Nässe?) an diesem Konzert ihre Freude. Treue Fans konnten ausgemacht werden, die versonnen im äußeren Bannkreis des Feuchtbiotops standen  und sogar kurze Streichölzer schwenkten. Denn: „ein Feuer krieg man immer damit an“ …  Ausgelassene Festivalisten performten ihre Daseinsfreude mit ausgiebiger Schlammschlacht, neugierige Zuhörer erfreuten sich an musikalischen Neuerungen und die Band selber wird wohl hoffentlich öfter besseres Wetter, aber selten ein so gutes Open Air Publikum antreffen.

Die Kamera hat ihre Regentaufe überstanden – hier die Fotos:

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