Des Herrn Hui Lu konspirativer Kampf mit SAM.s KUNSTGUERILLA

Kunstdiebstahl gehört laut Interpol neben Drogen- und Menschenhandel zu den lukrativsten Delikten. In Österreich verschwindet täglich ein Kunstwerk, in Deutschland sind es sogar sieben. Am begehrtesten sind dabei Werke von Picasso, Miró und Chagall. Das Klauen, Klauen-Lassen, der Handel mit dem „most wanted“ Diebesgut und die Ökonomie der Aufmerksamkeit treiben den spekulativen Kunstmarkt an. Die alles bestimmende Frage nach Original oder Fälschung  richtet über Wert oder Schund.

Eine Kampfansage gegen den dogmatischen Originalitätsanspruch, ein Tritt vors Schienbein der börsenartigen Preisdynamik startete nun die geheimagentur, ein Kollektiv aus internationalen Künstlern, die programmatisch Situationskunst inszeniert. Wer sagt, daß Kopieren keine Kunst sei? Daß ein Kunstwerk gleich Millionen kosten muß, und damit einer elitären Schicht vorbehalten bleibt? „Copy art“ wird als legitime Kunstform proklamiert, die abseits vom Anspruch der Originalität einen eigenen kreativen Prozeß dokumentiert, der Künstler, Kopierenden und Auftraggeber einbezieht. Und jedem gehören kann.

Für den Geniestreich der geheimagentur nehme man eine Delegation der besten Kunstkopisten Chinas, der Dafen incorporate vertreten durch Haifan Huang, Hui Lu und Ju Mao. Dazu lade man Besucher zu einem Workshop ein, die sich ihr „most wanted“ Kunstwerk  als Kopie quasi wie „einmal-Kunst-zum-mitnehmen-bitte …“ bestellen. Unter interessierten Blicken der Öffentlichkeit  entstehen dabei neue Picassos, Miros, Da Vincis oder Polloks. Die besten Bilder werden schließlich ausgewählt und wandern  – wie es sich für erlesene Kunst gehört – in eine Versteigerung.

 

Kunstguerilla - Original (c) SAM.

 

Kopierkünstler Hui Lu - Dafen incorporate

Versteigerung

Kunstguerilla - Kopie

(Dank für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung der Fotos an die Auftraggeberin und SAM.)

Unter dem Motto „the most wanted works of art“ fand diese Aktion vom 27.05. – 02.06.2010 auf dem Kampnagel in Hamburg statt. Dabei wurde den Akteuren ein Kunstwerk vorgelegt, daß programmatisch stimmiger nicht sein könnte: „Kunstguerilla“ von SAM.!  Der Künstler als Krimineller bedroht Betrachter und Kritiker mit dem Gewehr. (Herr Hui Lu , der sonst in technischer Perfektion klassische Werke malt, mag mit dieser Arbeit seinen eigenen Pinselkampf geführt haben). Das Ergebnis: die Kopie des echten SAM. wurde für die Finissage ausgewählt und erfolgreich versteigert. Hamburg schätzt SAM., kein Geheimnis.

Im Rahmen der Wiener Festwochen startet am 06.06.2010 der Workshop „The most wanted works of art“ ein zweites Mal in der Kunsthalle Wien, project space Karlsplatz. Die Teilnehmerplätze dürften inzwischen wohl vergeben sein. Sicher ist aber: die Arbeit „Kunstguerilla“ wurde von SAM. für die Aktion freigegeben und wird nun ein weiteres Mal zur Kopie vorgeschlagen. Gespannt sein darf man also auf die Finissage und Werkschau zur Ausstellung  „Alles anders?“ am 13.06. ab 21:00Uhr. Werden sich auch Wiener Kunstinteressierte für Aktion und Arbeit begeistern können?

Fortsetzung folgt …

(Anm.: Ein lesenswerter Artikel aus der taz.de, 28.05.2010: In China malen sie Hunde)

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One response to “Des Herrn Hui Lu konspirativer Kampf mit SAM.s KUNSTGUERILLA

  • jule

    geheimagentur…Situationskunst…Kunstguerilla kopieren…
    Irre Idee. Ich mag sowas.
    Und ich bin auf die Fortsetzung in Wien und den Bericht darüber gespannt.

    Gruß
    Jule

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