Nils Koppruch & Band im Blue Shell, Vol.2

Bewärungsprobe auf der Kölner Partymeile

Das Blue Shell ist ein kleiner, dämmriger aber beliebter Laden an der Kölner Partymeile Luxemburger Straße. So etwas wie die blaue Tankstelle für den Zwischenstop zum Auffüllen sprithaltiger Flüssigkeiten. Die Bühne ist eng, die Musiker stehen nur zwei Stufen über dem Publikum. Die Beleuchtung bleibt konstant bei schummrigen Blaulicht und Zwielich, in diesem Fall Rotlicht. Das sei als Entschuldigung vorgeschoben, warum es diesmal keine dilletantischen Fotos gibt. Als Entschädigung für fehlendes Bildmaterial gibt´s heute eine umfangreichere Set-List.

Bereits beim Support von „Neuschnee“-Solist Hans Wagner war der Raum passabel gefüllt. Dieser hatte an seiner Performance gefeilt, seine imaginäre 5-köpfige Band direkt vorgestellt und zu Beginn ein mehrschichtiges Stück mit seiner Loopstation gezaubert, das von den Zuhörern sofort gut angenommen wurde. Das gleichnamige Stück „Neuschnee“ oder  Tränenpalast seien als Hörprobe  empfohlen.

Als Nils Koppruch und Band gegen 21:00 Uhr loslegten waren etwa einhundert Zuhörer anwesend. Jubel und Applaus gab es schon nach dem ersten Stück „Armer Junge weint, armes Mädchen auch“, gefolgt von „Wort im Wasser“, und dem schönen Banjo-Stück „Vergessen, was ich wußte“. Es folgte der Titelsong der aktuellen CD „CARUSO“, zu dem bereits mehrere Entstehungsmythen existieren, die erklären, warum das Werk diesen Namen trägt. Von der Suche nach einem starken, klangvollen Name, dem Wunsch nach potentiell neuer Hörerschaft durch Einsortierung im Klassikregal über die Schlachtrufvariante bis zur Danksagung an die Halspastillenhersteller erweist Nils sich als sehr erfinderisch im Geschichtenerzählen. Mal sehen, welche Variante im nächsten Konzert auftaucht.

Vertreten waren Songs aus sämtlichen Fink- und Koppruch-Alben. „Den Teufel tun“ erhält in der aktuellen Bandversion ein völlig neues, stark rhythmisches Gewand, das mit dem sphärischen, gemach-gezupften Gitarrenvariante nicht mehr viel gemein hat. Als absolutes Muss folgt Flirt-Song „Komm küssen“. Dann „Irgendwann Regen“, ein sehr tanzbares „Shuffle und Kompott“ in bester Fink-Manier. In „Die Aussicht“ stimmt Oliver Stangl die Zweitstimme an, die im Album von Gastmusiker Gisbert zu Knypausen gesungen wird. Zum Stück „Kirschen“ wurde eifrig mitgesungen und es bewies sich auch live als Publikumsliebling. Es folgten „Mit eigenen Augen“ und der „Talking Darum Blues“, der perfekt in das aktuelle rhythmusbetonte Repertoire paßt. „Nicht die Bienen“ avanciert zu einem der (persönlichen) Höhepunkte des Abends, denn das Stück überrascht mit klassischem Bluesschema und starkem Groove, ebenfalls weit entfernt von der Solo-Version des Albums. „Verrückt vor Liebe“ und „Stadt in Angst“, auch auf CARUSO der Finalsong, schlossen die Setlist zunächst ab.

Der Schlußapplaus verstummte nicht, so daß die Band gegen 22:15Uhr einen Zugabenteil spielten.
„Staub und Gold“ hielt eine weitere Überraschung parat: der Song wird durch einen Klangteppich aus Gitarrenrückkopplungen langsam aufgebaut, Schlagzeug setzt erst dezent ein, treibt dann stark an, der Song wächst von Strophe zu Strophe und nimmt bombastische Ausmaße an. Für „Mein einziges Lied“ und „Billiger Trick“, wurde die Band abermals auf die Bühne gefordert. Als letzte Zugaben spielte Nils solo „Wenn du mich suchst“ und mit dem optimistischen „Jajaja“ wurden wir dann gut gelaut kurz vor 23:00Uhr in den Rest der Nacht entlassen.

Es hat viel Spaß gemacht. Allen. Mehr davon!

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