Nils Koppruch @ Fest van Cleef Mainz

Geschrieben wird viel über das diesjährige Fest van Cleef Jubiläum. Statt an dieser Stelle erneut den Ablauf im Einzelnen zu schildern oder Nörgeleien über Sound, Bands und Verpflegung abzulassen möchte ich einfach mal dem Grand Hotel van Cleef und allen Beteiligten ein großes Lob aussprechen für diese imposante Veranstaltung. An vier Abenden in Folge wurde teils über 1500 Besuchern ein reichhaltiges Programm geboten, dafür waren 55 Menschen in drei Nightlinern mit zwei Anhängern  Equipment und Catering quer durch Deutschland trotz heikler Wetterverhältnisse unermüdlich unterwegs. Es hat großen Spaß gemacht, dabei sein zu können!

Nun aber zum großartigen Auftritt von Nils Koppruch:  Es gibt Kritiker, die halten ihm  vor, er habe keine Sing-Stimme. Thees Uhlmann hingegen, der alle Konzerte an diesem Abend anmoderierte, empfahl in seinen warmen, einleitenden Worten, den Alben von Nils über Kopfhörer zu lauschen, denn gerade Nils Stimme sei einzigartig und drücke sehr viel aus.

Auf der Bühne 2 der Phönixhalle, vor imposanter Kulisse und gefüllter Halle, spielte Nils Koppruch im Duo mit Bassist Lars Paetzelt eine sehr gelungene Show, die mit gut 35 Miunten planmäßig, aber viel zu kurz ausfiel.

Nils begrüßt sein Publikum: „Das GHvC hat keine Kosten und Mühe gescheut, für euch diese wunderbare Kulisse hier aufzubauen“ (gemeint war das Labyrinth aus Rohren, das natürlich zum fixen Inventar  der Halle gehört.) „Von dahinten sehe ich vielleicht aus wie ein Zwerg – ich hab eben auch dort gestanden – aber das stimmt nicht.“

Zum Auftakt spielen Nils Koppruch und Bassist Lars Paetzelt für die niedergeschlagenen Fußballfans des FC St.Pauli, der aktuell eine hohe Niederlage einstecken mußte, den Song  „Noch nichts ist verlorn“. Nils erläutert augenzwinkernd, er habe dies als Fußballhymne geschrieben, die bislang aber niemand haben wollte. Der Aufforderung zum Mitsingen folgt das Publikum gerne und es entsteht soetwas wie Stadionatmosphäre. Es folgt das berühmte, nützliche Lied, mit dem man jemandem etwas sagen kann, von dem man weiß nicht recht weiß wie, „… ich schenk es euch“: „Komm küssen“.  Weiterhin hören wir „Armer Junge weint, armes Mädchen auch„, das Fink-Stück „Irgendwann Regen“ und „Stadt in Angst„.

Nils erzählt die Entstehungsgeschichte zu „Vergessen, was ich wußte“. Eine alte, offensichtlich verwirrte Frau bat ihn um Hilfe, ihr Haus wieder zufinden. Ein Song, gespielt mit Banjo, vorgetragen mit eindringlicher Stimme, der immer live wieder Gänsehaut verursacht.

Für „Den Teufel tun“ erschien Tim Neuhaus als Gast mit Harmonium, um mit  einem sanftem Klangteppich zu untermalen, der leider soundtechnisch ein wenig unterging. Anschließend wurde der Kollege Gisbert zu Knyphausen unter Jubel aus dem Off der Bühne hervorgebeten, um Mundharmonika und Zweitstimme beizusteuern.  „Habt ihr Lust zu pfeifen?“ ging die Frage ans Publikum, das mit gespitzen Lippen viesltimmig flötend mit der Band einstimmte.  Nils zückt eine Kamera aus der Hosentasche und macht vom Publikum ein Fotos fürs Archiv. Kommentar: „Dahinten hat jemand gewackelt!“

 

Final beendet das Single-Stück „Kirschen“ ein Konzert, das für einige als heimliches Highlight des Abends galt. Nils Koppruch, der auch die komplett andere Welt der kleinen, lausigen Musik-Clubs kennt („Caruso-Buden“), hat seinen Auftritt in einer Phönix-Halle, die sicher auch dem italienischen Namenspaten des aktuellen Albums „CARUSO“ zugesagen würde , sichtlich genossen. Wer diesen Auftritt wartend in der Bierschlange vertan hat, verpaßte eines der besten Koppruch-Konzerte der letzen Jahre.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: