Konfetti und Applaus! Nils Koppruch & Gäste im Knust

Das KNUST war bereits gut besucht, als Nils Koppruch gegen 21:00Uhr die Bühne betrat und seinen Gast, die One-Man-Vorband „Daantje & the golden handwerk“ aka Joachim Zimmermann persönlich vorstellt. Das Hamburger Publikum zollte ihm von den ersten Takten an konzentrierte Aufmerksamkeit. Es brauchte „Nicht viel“ an diesem Abend, um glücklich zu sein. Daantje, ausgerüstet mit einem Post-it als Setliste, etwas Mineralwasser und einer akustischen Gitarre schien beim überraschten Blick über den Brillenrand angesichts der vollen Bude seinen Augen selber kaum zu trauen. „Ihr seid so ruhig!“ stellte er zwischendurch ungläubig fest. Der Standard-Satz, mit dem sich Support-Acts gelegentlich für das unhöfliche Gequassel ihres Publikums entschuldigen, also: „Ich weiß ja, eigentlich wartet ihr ja auf Nils Koppruch“, war leicht überflüssig, denn was der sympathische Stuttgarter trotz Krampf in der linken Hand minimalistisch auf die Bühne brachte wurde bejubelt und mit Zugabe-Wünschen quittiert.

 

daantje & the golden handwerk 

Setlist "nicht viel"

Gut vorgewärmt gibt Nils Koppruch & Der Wald dann das Hauptprogramm. Der Beipackzettel (s.u.) kürzt ab, was in Worten zu langatmig wäre. Man ließ die Sache erstmal gemach angehen, aber bereits beim Song „Caruso“, den Nils als aufklärende Berufsberatung ankündigt, ist richtig Schmiss im Spiel. Der Refrain „Feuerwerk und Rauch“ zündet akustische Pyrotechnik. „Das nächste Lied spielen wir solange, bis sich mindestens drei Pärchen küssen“. Leider fiel „Komm küssen“ dann  recht knapp aus, denn Nils meinte (und der muß es ja wissen): „Die Hamburger sind schnelle Küsser. Wir haben das Lied schon mal eine Viertelstunde gespielt …  in Braunschweig.“

Das nächste Highlight bildet definitiv „Shuffle und Kompott“, es swingt herzerfrischend und wenn Oliver Stangl am Pedal Steel elegant mit den Hülsen schwooft und gemeinsam mit Bassman Lars Paetzelt ins Mikro trällert „… er macht Feuer und bewacht den Topf“ gerät der Most so richtig in Gärung.

Die schwer groovende Live-Version von „Den Teufel tun“ hat mit dem meditativ-bedächtigen Album-Track nicht viel gemein, jedenfalls geht sie in die Beine.  Bei „Talking Darum Blues“ ist froh, wer gerade ein Bier in Reichweite hat, um sich einen tiefen Schluck auf das Leben und den Tod zu genehmigen. Trommler Christoph Kähler treibt die Geschwindigkeit mächtig an, so lauscht man bei „Mit eigenen Augen“ , gespannt, ob Nils beim Singen von Textzeilen wie „mit dir an einem neuen Morgen will ich auf die Sonne warten“ wie eine Schwalbe über´s Wasser jagt oder sich doch eher am Ufer verfängt. Jedenfalls hat die Nummer etwas vom Koffein-Kick eines Instant-Kaffee.

Zwischen den Songs schickt Nils ein paar Grüße ins Publikum für die anwesenden Musiker, die bei der Produktion des CARUSO-Albums geholfen hätten (- er selber habe ja kaum was dran gemacht-) und bedankt sich beim Label Grand Hotel van Cleef für die Neuauflage der unlängst vergriffenen CD „Den Teufel tun“.

Für die Songs  „Knochen und Fleisch“ sowie „Die Aussicht“ wird dann Überrraschungsgast Nr. 2 auf die Bühne gebeten, wobei dieser ja irgendwie doch erwartet wurde: Gisbert zu Knyphausen, der sich mit dem Auftritt quasi auch für Nils Besuch bei seinen jüngsten KNUST-Konzerten bedankt. Das Schöne an Live-Musik sind vor allem die unvorhergesehenen Momente: mitten im Song setzt Nils an zur Strophe „… ich sag dir vorher ist da nichts und danach“, schaut rüber zu Gisbert, lacht … und damit wäre der Text vergessen. Beim zweiten Anlauf in die Strophe klemmt der Text erneut. Den dritten Anlauf übernimmt Gisbert schnell entschlossen und bringt den Song nach Hause, was Nils ihm später mit einer Umarmung dankt.

Die Stimmung ist großartig, in den ersten Reihen wird ausgelassen getanzt, Freude auf und vor der Bühne. Die Band ist in Hochform, scheint Energie in Geschwindigkeit umzusetzen, denn alle folgenden Songs, besonders „Verrückt vor Liebe“  wirken irgendwie beschleunigt. Sogar Material wird an diesem Abend verschlissen: bei einem der letzten Stücke vor der Zugabe reißt eine Saite von Nils Gitarre!

Die Setlist endet, aber nach „Stadt in Angst“ ist natürlich längst nicht Schluß. Vier weitere Zugaben folgen z.B. „Staub und Gold“ in der ausgedehnten Kraut-Rock-Variante. Das Konzert gipfelt beim Song „JaJaJa“ , denn alle Musiker des Abends stehen  noch einmal auf der Bühne. Christoph Kähler verläßt das Schlagzeug um als Trio mit Gisbert und Daanje die swingende, klatschende Rhytmusgruppe zu bilden. Das Publikum steigt klatschend in den Rhythmus ein. Ein  einmaliges Bild, das das Konzert in einem grandiosen Finale abschließt. Zum Abschied spielt Nils solo noch den alten FINK-Klassiker „Kleines Grünes Haus“, ein Stück, das ursprünglich dem abgerissenen Club „Heinz Kramers Tanzcafé“ gewidmet war.

Was 400 Gäste am Samstag im vollen KNUST in Hamburg erlebten war auf jeden Fall tosenden Applaus wert und für künftige Shows mit Nils Koppruch & Der Wald sollte eine Tüte Konfetti mit ins Handgepäck! Weiterhin plädiert die hier Schreibende für eine Fortsetzung der Live-Konzerte, denn der Most ist dick, will sagen: es scheint sich herum zu sprechen (steigende Besucherzahlen!), daß man bei Koppruch-Konzerten eine wunderbare Packung Musik mitnimmt, die irgendwie und nachhaltig glücklich stimmt. Dranbleiben!

Das Auge hört mit! – Fotos © Astrid Mönch-Tabori

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