Der Vogel singt nur …

 

© Kerstin Schomburg

Interviews verlaufen manchmal nach dem Motto: „Der Vogel singt nur bis du nach ihm greifst.“ Also steckt man Fragen besser wie kleine Zweige in einen Baum und wartet, bis der Vogel sich drauf niederläßt. So in etwa sind die folgenden Antworten auf neugierige, nicht allzu private, sachbezogene Fragen an Nils Koppruch entstanden. Lauscht:

  • Rückblick – Ausblick: Wie war die bisherige Resonanz auf „Caruso“ und auf den Konzerten? Was wünscht du dir musikalisch für 2011/12?

Soweit ich das verfolgen konnte, ist Caruso weitgehend wohlwollend aufgenommen worden. Das Album hat gute Kritiken bekommen, die Plattenfirma sagt, sie ist zufrieden mit den Verkäufen.

Die Konzerte mit der Band, die sich jetzt „DER WALD“ nennt, waren allesamt  besonders schöne Abende. Es waren möglicherweise zwei, drei der besten Konzerte  die ich / wir  in den letzten 10 Jahren gespielt haben.

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, wir würden ein paar mehr Menschen für die Konzerte interessieren können. Das würde einiges erleichtern und auch ausgedehntere Touren möglich machen.

Zur  Zeit arbeite ich an neuen Songs, sowohl für Nils Koppruch & DER WALD, aber auch für ein gemeinsames Projekt mit Gisbert zu Knyphausen. Gisbert und ich werden im nächsten Jahr ein gemeinsames Album veröffentlichen.

Außerdem bereite ich gerade eine Ausstellung mit dem Titel „SEEMANNSHEIM 2“ vor.

  • Aus den schlichten Arrangements von „Den Teufel tun“ sind teilweise überraschend füllige, teils rockige Live-Versionen geworden. Wer war der wesentliche Motor, die Stücke heute so zu arrangieren? Entwickelt sich das aus der Zusammenarbeit mit anderen Musikern oder wolltest in erster Linie Du die Stücke so verändern?

Ich betrachte meine Songs als etwas, das sich verändern darf und sollte. Es würde für mich keinen Sinn machen einen Song  „nach zu stellen“. Die Songs sollten sich mit der Band, dem Sänger, der Zeit etc. verändern dürfen. Natürlich spielt dabei die Zusammenarbeit mit anderen Musikern eine wichtige Rolle.

Unter Berücksichtigung der Musiker mit denen ich spiele geht die Initiative allerdings überwiegend von mir aus. Ich bin einfach interessiert daran wie  weit ich die Songs strapazieren kann und wie sie sich durch eine andere Tonart, ein neues Arrangement, eine andere Besetzung verändern und wie sie sich dadurch auch in ihrer Bedeutung / Aussage verändern.

  • Welche wesentlichen Eigenschaften muss jemand mitbringen, damit deine Zusammenarbeit mit ihm gut funktioniert? (nicht nur musikalisch gesehen)

Oha, da habe ich keinen Kanon oder Katalog.  Es funktioniert oder es funktioniert nicht.  Und ich habe mich da schon oft getäuscht.

  • Touren ist sicher oft wie Wanderzirkus-Dasein. Bist du nach all den Jahren noch gerne unterwegs, neugierig auf Städte und Leute?

Ja, bin ich. Es ist immer eine sehr intensive und auf die Musik fokussierte Zeit. Und selbst wenn ich von einzelnen Städten, Orten und Menschen manchmal nicht viel mitbekomme, ist allein die Bewegung, der Rhythmus des Reisens und die manchmal extremen Veränderungen von Tag zu Tag, Abend zu Abend inspirierend und spannend.

  •  Wie kam es zur Neubesetzung der Gitarre mit Marcus Schneider?

Ich hatte mit mehreren Gitarristen gesprochen und geprobt, schließlich fiel die Wahl auf Marcus weil es sich am  besten und sichersten anfühlte. Natürlich war die Einschätzung von „DER WALD“ aber ebenso wichtig.

Marcus ist ein sehr, sehr guter Musiker, der durch seine Arbeit  in anderen Bands und durch seine Erfahrungen als Produzent, Tonmischer etc. einen weiten Horizont als Musikschaffender mitbringt. Auch stilistisch hat Marcus viele Möglichkeiten ohne dabei dem klassischen Klischee des „Muckers“ zu entsprechen.

  • Du sagst, du bist auf der Suche nach dem ultimativen Lied, das die Welt erklärt. Mit welchem Song bist du dem Ziel bislang am nächsten gekommen? Gibt es für dich einen Musiker, der so etwas schon mal geschafft hat?

Ich betrachte das mehr als eine Idee, als eine tatsächliche Möglichkeit. Meine grundsätzliche Motivation beim Schreiben ist allerdings schon, eine möglichst universelle Aussage zu machen. Eine möglichst zeitlose Wahrheit  in den Dingen die mich beschäftigen zu finden und diese möglichst gut in Text und Musik zu formulieren. Anders gesagt: Ich versuche die unverständliche Welt um mich in Worte zu fassen.

  • Was macht Musik aus, die dir persönlich gefällt, die dich anspricht/erreicht?

 Sie muss irgendeinen Haken haben, an den ich anbeiße. Und ich muss sie entdecken können.

  • Stichwort „Paul McCartney-Methode“: Entstehen deine Songs/Ideen als Spontangeburten in wenigen Stunden oder gehst du mit einer Idee lange „schwanger“? Was überwiegt?

Eher weniger Spontangeburten. Kommt vor, ist aber selten. Meistens doch erst der natürliche Weg mit Schwangerschaft, Geburt, Erziehung, Lehre, Studium und dann, wenn’s gut geht Veröffentlichung.

  • Vögel spielen in deinen Lieder oft eine Rolle: z.B. „mein einziges Lied“, Der Bandname FINK, „der Vogel singt nur bis du nach ihm greifst“. Du hast vor kurzem Tom Waits zitiert: einen guten Song schreiben sei wie einen kleinen Vogel lebendig einzufangen … Wieso sind Vögel so zentral, welche Eigenschaften verbindest du mit ihnen?

 Vögel singen ohne Anspruch. Und sie fliegen! (also die meisten)

  • Welche Beziehung hast du zum Medium Internet und sozialen Netzwerken?

Es ist ein Fluch und ein Segen! Ich versuche mich  vor dem Gefühl zu schützen, ständig verfügbar und erreichbar zu sein / sein zu müssen. Die Flut von Informationen, Anforderungen, Angeboten, Anfragen und dazu der ganze Spam macht mich nervöser als ich sein sollte.

  •  Schaust du gern in deinen (Mail)- Briefkasten?

Meistens eher nicht. Außer ich erwarte konkrete gute Nachrichten.

  •  Musik wird immer stärker in mp3-files/Downloads konsumiert. Als Musiker denkt man sicher in Alben-Konzepten. Siehst du den Tod des klassischen Albums/physischen Tonträgers bevorstehen? Würde dir Musikmachen noch Freude bringen und sich rentieren, wenn diese Tendenz anhält?

Musik machen hat ja erstmal nichts mit der Form der Veröffentlichung zu tun. Musik machen wird mir sicher auch weiter Freude machen. Und wenn es eine Sammlung von Songs gibt, die  aus guten Gründen die Form einer Sammlung (Album) haben sollen, dann wird auch das sicher irgendwie möglich sein.

Vielleicht werden sich auch  zukünftig andere spannende Möglichkeiten der Veröffentlichung bieten.

  • Für mich zentral: „Den Himmel sehn wir uns an hier und jetzt“, „davor ist nichts und danach“ – Dahinter steht eine atheistische, sogar nihilistische Grundhaltung. Du giltst als gelassen, nicht verhaftet an materielle Dinge oder Eitelkeiten. Aber auf der Suche nach der Essenz.   Gibt es etwas, dass deine Lebenseinstellung wesentlich geprägt hat? Dein Lebensumfeld, bewusstseinserweiternde Erfahrungen? Hast du dich mit bestimmten Philosophien oder Religionen jemals intensiver beschäftigt?

Zum ersten Teil der Frage : Ganz sicher! Zum zweiten Teil der Frage : Ja, Nee.

  •  Luxus ist für dich …?

Luxus habe ich noch nie begriffen. Ist das eine knappe Resource , die mich durch ihren Besitz glücklicher als die anderen macht? Falls Luxus mich glücklich machen kann, bin ich auf alle Fälle dafür.

  • Tino Hanekamp hat den Pressetext zu deinem Album „Caruso“ verfaßt. Du bist als Musiker regelmäßig im Ü&G zu Gast. In seinem Buch „Sowas von da“ kommst du am Rande auf einer Setlist vor. Wenn das Buch verfilmt würde und man dir eine Rolle einräumte– würdest du sie als Schauspieler annehmen?

Ehrlich gesagt habe ich da keine Ambitionen. Als Abenteurer würde ich  dann einfach die Rolle nehmen die man mir zuweist.

*Abschließend  an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Nils für die Einblicke & Ausblicke und das bereitwillige & geduldige Beantworten der Fragen! *

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