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Eins und eins macht 5 – Resumée zur Kid Kopphausen Honeymoon-Tour

Die Flitterwoche einer vielversprechenden Musiker-Ehe auf Zeit, die erste Tour zum Release des Albums „I“ liegt hinter Kid Kopphausen (11.-17. September).  Die zahlreichen Anspielungen zur affärenhaften Beziehung zwischen Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch kann man nun belustigt oder belästigt aufnehmen. Immerhin wurden sogar beide Nachnamen miteinander verknüpft. Jedenfalls ist dies doch ein amüsantes Bild für die Liaison, über das selbst die beiden Protagonisten in den Pressevideos witzeln.

Aber jenseits aller Albernheiten: Was macht eine gute Beziehung eigentlich aus? Jeder Partner ist für sich zwar eine eigenständige Persönlichkeit, kann unabhängig sein und arbeiten, hat sein eigenes Aktionsfeld. Dennoch entscheidet man sich, zusammen zu sein, weil sich neue Perspektiven oder Horizonte erschließen.  Man sich öffnet für neue Ideen und wagt, Dinge anders  anzugehen als gewohnt. Die Qualität der Begegnung ist von der Dauer unabhängig. So lange es gut ist geht man ein Stück gemeinsam ohne sich die Schlinge fester Versprechen um den Hals zu ziehen. Und das Bewusstsein „dies ist unsere Zeit“ und eben nur auf unbestimmte Zeit macht es kostbar. („Der Vogel singt nur bis du nach ihm greifst.“ – Nils Koppruch, Die Aussicht)

Neu ist diese Form der musikalischen Zusammenarbeit auf Zeit sicher  nicht. Deutlich wird jedoch, dass sich hier zwei eigenständige, reife aber recht unterschiedliche Musiker perfekt ergänzen und nach außen eine sehr sympathische Harmonie ausstrahlen. Dass die daraus geborene Band Kid Kopphausen eine fantastische Zeit hat, konnte man in den letzen Tagen in den Metropolen der Nation erfreut sehen – mehr noch: hören.

Der Gewinn aus der Verbindung schlägt sich zunächst in der stilistischen Vielfalt des Albums nieder. Es wird experimentiert mit Fülle und Stille, mit verschiedenen musikalischen Einflüssen und menschlichen Rollen. Dennoch wirkt es homogen  und nicht allzu weit entfernt von den prägenden Einflüssen ihrer Urheber. Diese Vielfalt ist sicher auch dem Einbeziehen weiterer brillanter Musiker (Alexander Jezdinsky, Markus Schneider und Felix Weigt) in den kreativen Prozess zu verdanken.

Der quirlige Opener: „Hier bin ich“ rempelt kräftig an und zieht uns sofort druckvoll ins Album oder läßt uns live unmittelbar mitnicken. Der Ausbau von Strophe zu Refrain mit zunehmender Vielschichtigkeit ist spannend, spiegelt er doch  sehr gut wieder, dass ein Mensch,  je näher man ihn kennenlernt,  umso komplexer erscheint.

Lieder wie „Im Westen nichts neues“ oder „In die Wand einen Nagel“ sind musikalische Bilderbücher für Erwachsene, zu denen man sich die Geschichte selber erzählen muss. Kid flößt dem Hörer aber auch melodiöse Drogen ein und nimmt ihn mit auf einen sanft-wabernden Rausch durch eine psychedelische Clubnacht („Haus voller Lerchen“).  Den Psychothriller „Wenn der Wind übers Dach geht“ dominieren Bluesharmonien, die ein akzentuiert-rhythmisches Piano setzt und verzerrte, ausgedehnte Gitarrensoli, wie man sie in der Spielfreude bislang weder bei Gisbert, erst recht nicht bei Nils hören konnte.  Kid schmachtet in verliebter Erinnerung, stolpert als reumütiger Mörder durch  dumpf-düstere Wälder aus denen ein Cello die bedrohliche Schwärze aufsteigen lässt („Möderballade“). Er tänzelt in komplizierten Achtel-Sechzehntel-Rhythmus nicht nur „Jeden Montag“ suchend durch die Stadt, sondern verliert seinen Kopf auch gerne zum bedächtig schreitenden ¾-Takt in den Wolken („Wenn ich dich gefunden hab“). So richtig krachen lässt er es dann, wenn der Rock´n Roll ihm im „Das Leichteste der Welt“ das Leben retten darf.

 „Meine Schwester“ wird in Square-Dance-ähnlichem Schwung mitsamt Gott zum Teufel geschickt. Und Moses muss im Arbeits-Shanty angefeuert von Hauptstimme und Hintergrundchor ganz kräftig in die Riemen greifen und stompen, um gegen das Ersaufen anzurudern. Ein fünfstimmiger á capella Chor, unterlegt mit sparsamer Hauptstimme, schafft es minutenlang einen Bogen über die lethargische Stille zu spannen, bis die Ungeduld sich wütend krachend in einer Rock´n Roll Nummer Luft macht, die so auch aus der Feder von Rio Reiser stammen könnte („Schon so lang“).

Beide Protagonisten wagen es, mitten im Liveprogramm ausgewählte Solo-Stücke zu spielen,  ihre Identität als Kid Kopphausen damit minutenlang abzulegen, wobei sie sich gegenseitig als 1. und 2. Gastsänger vorstellen. Insbesondere in der Kulturkirche Köln, aber auch im altehrwürdigen St.Pauli Theater überzeugen und berühren diese Soli mit glasklarem Klang und Brillanz. Bei jedem Auftritt bleibt „Nur ein Satz“ wie auf dem Album der Abspann eines abenteuerlichen Films. War es vielleicht auch nur ein Satz zwischen Nils und Gisbert, der Kid Kopphausen nach sich zog?

Was auf der Album-Konserve wie gute, handgemachte, ehrliche Musik mit Reminiszenz an klassische Vorbilder klingt, gewinnt live eine gehörige Prise Überzeugungskraft hinzu. Es geht der Band nicht um Entertainment des Publikums, sondern um glaubwürdige Präsentation. Von Gisbert kennt man die selbstvergessen Art, mit geschlossenen Augen hinter dem Mikro in seine Songs abzutauchen. Die ernste Miene des Herrn Koppruch macht, dass man ihm den getrieben-paranoiden Typ ohne weiteres glaubt. Im „Zieh dein Hemd aus Moses“ drischt Marcus Schneider auf die Percussion ein, als wolle er sie zu Brennholz verarbeiten. „Erwischt“ wird zu einer swingenden Nummer, bei der sich Gisbert das Mikrokabel lässig wie eine Federboa über die Schulter wirft. Selten hat man von Nils mit so viel Timbre in der Stimme und dennoch ohne Kitsch das Lied „Kirschen“ gehört, dass man ihre Süße förmlich auf der Zunge schmeckt.

Das Kid rockt und wiegt, grübelt und liebt. Es philosophiert und tröstet, flucht und versäumt, sehnt und träumt. Und man spürt der Reaktion des Publikums an, dass es sich in diese menschlichen Eskapaden gebannt hineinziehen läßt. Songs verklingen bis zum letzten Ton, irgendwo wispert jemand „oh wie schön.“ Wer sitzt springt spätestens nach dem Hauptset des Konzerts auf und spendet standing ovations. Begeisterte Pfiffe und Johlen schlagen in Wellen zu den Akteuren auf die Bühne, bis sich auch die ernsten Mienen zu verlegenem Grinsen oder breiten Lächeln strecken.

Auch optisch ist diese Band ein Geschenk und mit den adretten Anzügen garnicht mal schlecht verpackt. Während Gisbert mit seinem längerem Haar (Ob ihm Koteletten auch stehen würden?) und dem Tweed-Anzug mit leichter Schlaghose über Boots noch an die guten 70er und die beste Zeit der Beatles erinnern könnte, verströmt Nils Koppruch mit seiner ernst bis finsteren Miene und dem dunklen Anzug einen Hauch von Man-In-Black-Aura. Vielleicht nicht ganz zufällig, zählt Johnny Cash doch zu den ihn prägenden Musikern.

„… jemand singt ein nagelneues Lied. Als wenn´s die ersten schönen Tage wär´n und alles um uns glänzt und schient und blüht.“ So singt Nils im Song „Schritt für Schritt“. Klingt doch ein wenig wie frisch verliebt. Gratulieren wir Kid Kopphausen zur gelungenen Kooperation und wünschen, dass dieser Glanz anhält, im Hier und Jetzt, und vielleicht eine Weile länger.

Möge diese Verbindung noch viele schöne Blüten treiben.


Hallo! Hurra! – da ist „I“

Eine Woche ist „I“, das gemeinsame Kind von Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch nun auf der Welt und schon erregt es beachtliche  Aufmerksamkeit. Weit über vierzig Mal wurde das Album in den vergangenen Tagen von Presse, Musikportalen und Blogs kritisch begutachtet. Die renommierten Quellen ließen in ihrem Urteil anfänglich Strenge walten, aber Tenor und Tendenz zeigen, dass es durchaus Jubel und Gesang auszulösen vermag.

Einen atemberaubenden Takt legen Kid Kopphausen  denn auch an den Tag, was die Präsentation ihrer Arbeit angeht. Hallo, hurra – es hagelt Interviews im Radio, im Netz oder per Video. Da leistet das Label Trocadero ganze Arbeit. Und als wäre die ausgedehnte Tour im Herbst nicht schon genug, entschied man kurzerhand vorab noch zwei Premierenkonzerte und eine Festival-Premiere beim Sound of Bronkow   in Dresden einzuschieben. Hufe scharrend kann man wohl kaum erwarten, mit dem Nachwuchs ans Licht zu kommen. „Die wollen doch nur spielen!“ wirbt ihre Facebook-Seite.

Eine Woche nach Album-Release am 24.08.12 zückt das Neugebore einen weiteren Trumpf und bringt zum Opener des Album „Hier bin ich“ ein originelles Video ins Spiel. Wir sehen in schlichtem Schwarz-Weiß gehaltenen Bildern der beiden Frontmänner rhythmische Schnittfolgen mit sehr amüsanten Gesichts- und Körpercollagen. Bestechend einfach, aber witzig. Wenn das mal kein schlechter Köder für´s Album ist! Fast erschreckt stellt man bei diesem Video fest: das ist  nicht nur ein verdammt radiotauglicher Song, das könnte sogar hitverdächtig werden.

Aber lassen wir die Kopphausen-Five erst mal die Angeln auswerfen  und  ihre Tour spielen. Gelegenheiten, ihnen dabei zuzuhören gibt es in den kommenden Wochen zu Hauf [Termine]. Go Kid Go!


Kid Kopphausen auf einen Kaffee und eine Zigarette

Bevor es also so richtig losgeht und die Kid Kopphausens ihre Koffer in den Bus wuchten erzählen sie dem Rolling Stone auf einen Kaffee und eine Zigarette, wie das mit dem zusammenarbeiten so funktionierte. Fast unzensiert. Sehr amüsant!

 

 

Alle Konzerte sind bei „Termine“  aufgelistet.


40 Minuten Kid Kopphausen im Interview

Das Label Trocadero veröffentlicht jüngst einen weiteren Appetithappen zum Premierenalbum der Band KID KOPPHAUSEN: „I“.
Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch stehen ausführlich Rede und Antwort über die Entstehung der Zusammenarbeit, die Album-Produktion, über das Songschreiben und Inspirationen, die neue Band und den Kontext des Albums.
Vieles wird erklärt, einiges bleibt weiterhin rätselhaft.
Spannend, interessant und sehr unterhaltsam. Aber lassen wir die beiden selber erzählen:


Kid Kopphausen – Albumteaser in Bild und Ton

Große Freude & Augenweide – wir können den Kopphausenern schon mal über die Schulter schauen. Das klingt wunderbar …


Kid Kopphausen I

 

 © Foto Dennis Williamson

Die phänomenale Kooperationsfreude des Songwriters Gisbert zu Knyphausen, den der Erfolg zwischen 2009 und 2012 schwindelerregend durch die Decke katapultierte, ist in der deutschen Songwriterszene sicher eine erfreuliche Besonderheit. So nahm er mit Nils Koppruch lange vor der Mitwirkung an „Die Aussicht“ (Caruso) den Benefizsong „Knochen & Fleisch“ für ein Hamburger Obdachlosenmagazin auf, mit Lichter wurde getourt und wurden gegenseitig Songs („Leerer Raum“, „Spieglein Spieglein“) gecovert, von Daantje & the golden handwerk lieh Gisbert sich zunächst „Wer Du bist“, im Gegenzug konnte Daantje mit der kompletten Band sein Album „ach“ produzieren. Mit Schöftland aus Bern entstand „Hier in der Kleinstadt“, mit Clickcklickdecker alias Kevin Haman gab es die Split-Single „Frau Himmelblau bittet zum Tanz“ & „Die Aufgabe davor und die Abgabe danach“, mit Herrenmagazin nahm man gemeinsam „Alle sind so“ auf. Und die Liste ließe sich wohl noch erweitern …

Hinter all diesen Gemeinschaftsprojekten steht sicher mehr als die Bereitschaft, andere Musiker generös mit ins Erfolgs-Boot zu nehmen, das gerade so gut über die Wellen des Musikbusiness schippert. Gisbert lädt seine Hörer gerne ein, über den Tellerrand zu hören, auch wenn´s nicht seiner eigener ist. Und er scheint sehr offen zu sein für unterschiedliche, musikalische Impulse, Ideen und Herangehensweisen. Kompatibel, neugierig und experimentierfreudig von Hip-Hop über Elektro-Pop, von LoFi bis Punk, und dabei dennoch unverkennbar stiltreu und authentisch.

Während dieser Blogbeitrag entsteht haben Herr KOPPruch und Herr zu KnypHAUSEN mit einer Handvoll ausgewählter Musiker die Phase der intensiven Proben für das gemeinsame Album abgeschlossen, um erfolgreich zu konservieren und zu veredeln, worauf die mehr als neugierige Hörerschaft beider Künstler seit Monaten wartet. Das gemeinsame Werk wird beim Label  Trocadero erscheinen und soll, laut Information des Rolling Stone schlicht „I“ lauten. „Kid Kopphausen“ sei zunächst der griffige Werktitel, den man aber noch erweitern wolle, verriet Nils im Januar bei einem Video-Interview für Knust TV. Gisbert gab in einem Interview für den Musikblog „Lieblingstape“ im Februar preis, dass der Name „Kid Kopphausen und die Steinfeldvariation“ lauten könnte. Aha.

Nun denn, das Kind braucht einen Namen und wie auch immer das „Ki(n)d“ getauft wird, soll der Name wohl schon zeigen: es ist weder Nils drittes Solo-Album ohne FINK mit Kooperation von Gisbert, noch Gisberts drittes Bandalbum. Es ist die Umsetzung eines beiderseits lange gehegten, aber wegen Zeitmangel aufgeschobenen Plans, etwas Gemeinsames zu produzieren. Wir dürfen uns auf ein komplett eigenständiges Projekt mit einer eigenen Bandformation freuen. Welche Musiker dabei im einzelnen mitwirken wurde bislang nicht verraten. Immerhin rückt das Release-Datum Mitte August in Countdown-fähige Dimensionen und ein paar Daten des ersten Tourabschnitts in den wichtigsten Metropolen der Nation stehen auch bereits fest.

Als kleine Kostprobe der neuen Songs: „Zieh dein Hemd aus Moses“ – unplugged

[youtube.com/watch?v=-E9VuiDqWRU]


Da rockt das Brot oder der Knust vom KNUST

Dass Nils Koppruch mit Wald am 28.Januar im KNUST ein hervorrangendes Konzert mit kleiner Literatureinlage ablieferten, wurde hier bereits „angeschnitten“. Glückliche Umstände ermöglichen es allen Daheimgebliebenen oder Ahnungslosen nun doch noch ein paar musikalische Scheiben, sagen wir musikalische Dauerbackwaren davon zu verzehren. Hier also quasi der Knust vom KNUST:

In der Reihenfolge der Setlist:

Kirschen

Zieh dein Hemd aus Moses  (neues Stück)

Harte Zeiten  (grandiose Version & highlight!)

Irgendwann Regen (letzte Zugabe)

Großen Dank an den Filmer tapetrails!


Nils Koppruch & Der Wald spielen im Club des Jahres

 

Ich tret im Club des Jahres auf …“ heißt es im Song „Caruso“  und an diesem Abend trifft das für Nils Koppruch & Der Wald tatsächlich zu, wurde das KNUST doch jüngst zu Hamburgs bestem Live-Club gekürt.
Der Clubchef hat deinen Namen vergessen und will ihn wohl auch garnicht wissen …“- weit gefehlt! Clubchef Norbert Roep will vielleicht so manches nicht wissen oder lassen, jedoch würde er wohl den Teufel tun und den Namen eines seiner liebsten Gäste vergessen.
Die Poster liegen in der Ecke …“? Mit nichten: die eigens für das perfekte Wochenendprogramm angefertigten Poster können am Merchandise-Stand sogar käuflich erworben werden.
Ich ring das Huhn…“ Ob es ein Ringen war, das Huhn in Acryl mit dem Pinsel auf die Leinwand zu bringen? Jedenfalls wurde das Originalbild zur Vorlage des Veranstaltungsposters an diesem Abend zugunsten des Frauen-Musik-Zentrum Hamburg meistbietend versteigert. Gewinner – weil SAM.mler – für das Gebot von stolzen 600€  wurde der Clubchef höchstpersönlich.

Franz Dobler, der mit einer Lesung den Abend eröffnen sollte, ließ sich leider entschuldigen weil er wegen Krankheit den Weg von Augsburg nach Hamburg nicht antreten konnte. So kam das Auditorium jedoch in den Genuß einer ungewöhnlichen Premiere. Nils versuchte über die Vakanz hinweg zu trösten indem er die Gedichte von Herrn Dobler vorlas. Dabei war er ja eigentlich nur der mit der Gitarre, …

… was dann beispielsweise so klang:

Nach kurzem Chef-Intermezzo mit Bekanntgabe der Meistbietenden und Werbung für den offensichtlich mundenen Wein des Weinguts der Familie zu Knyphausen, der an diesem Abend im Ausschank angeboten wird, folgt endlich Musik.

Wo bist du gewesen fragen die mich die da waren und ich hätte auch dasein können hätte ich es nur erfahren… “ beginnt Nils Koppruch solo an der Gitarre das Konzert mit „Der richtige Ort„. Tja liebe Leute, wer nichts erfahren hat von diesem Konzert hat dann auch wirklich was verpaßt. Nach dem zweiten Solostück „Nicht die Bienen“ steigt die Band zu „Armer Junge weint …“ ein. Die Stimmung im Saal, den etwa 300 Besucher bevölkern, ist genau so, wie man sich das wünscht: bestens ab dem ersten Song. Hamburg jedenfalls liebt Nils Koppruch, wie schon mehrfach festzustellen war. Da die Band in voller Besetzung spielt mit Christoph Kähler am Schlagzeug, Marcus Schneider an den Saiteninstrumenten und Rhythmus-Zimmermann Lars Paetzelt am Bass geht da auch so einiges an Energie, Druck und sattem Sound, dass es richtig Laune macht. „Talking Darum Blues“ groovt, „Zieh dein Hemd aus Moses“ stampft, und ein neuer, bislang namenloser Song rockt von der Bühne. „Harte Zeiten“ wird in einer knackigen Version abgeliefert, die textlich und musikalisch komplett renoviert daherkommt und als persönliches Highlight verbucht wird. Ruhigere Stücke treten an diesem Abend zugunsten der tanzbaren zurück, was mit Begeisterung quittiert wird und Nils später noch einen Schulterklopfer für „the rockin´Koppruch“ einbringt. Dem Club muss man für die technisch hervorragende Präsentation mit sehr gutem Sound und hervorragender Bühnenbeleuchtung ein Lob aussprechen.

Stadt in Angst“ beschließt wie üblich aber viel zu früh den Hauptteil des Sets. Nostalgisch, wehmütig dürfen wir in der ersten Zugabe zu „Kleines grünes Haus“ mitwiegen um mit „Verrückt vor Liebe„, den FINK-Klassikern „Ich kümmre mich darum“ und „Das Liebste“ ins Finale zu tanzen. Als Rausschmeißer gibt es „Irgendwann Regen„, wobei an diesem Abend im frostigen Hamburg draußen ein leichter Schnee fällt und  glitzernd die Euphorie für den Heimweg pudert, jedenfalls für die, die schon gehen. Die anderen verweilen bei diversen Kaltgetränken im warmen KNUST.

(c) Fotos Nils Koppruch Support

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Setlist:

Der richtige Ort – Nicht die Bienen – Armer Junge weint, armes Mädchen auch – Mit eigenen Augen – Mein einziges Lied – Kirschen – Die Aussicht – Caruso – Vergessen, was ich wußte – Noch nichts ist verlorn – Talking Darum Blues – Zieh dein Hemd aus Moses – ?Neuer Song? – Harte Zeiten – Den Teufel tun – Komm Küssen – Weils möglich ist – Wort im Wasser – Stadt in Angst –

1. Zugabe: Kleines Grünes Haus – Verrückt vor Liebe – Im kümmre mich darum – Das Liebste

2. Zugabe: Irgendwann Regen


Offenburg feierte Nils Koppruch & den Wald

Fotos mit freundlicher Genehmigung von © Frank Zimper

Herausragend auf der kleinen Herbsttour von Nils Koppruch & Der Wald verlief das Konzert am 07.10.  in Offenburg. Nils Koppruch konstatiert einleitend: „Es kommen heute  viele Details zusammen, die einen guten Abend ausmachen. Und zwar hat man uns versprochen, den besten Tontechniker der Welt da zu haben. Dann hat man uns versprochen, das beste Publikum der Welt hier zu haben. … Und wir haben dann behauptet, die beste Band zu sein“.
Augenzwinkernden Übertreibungen dieser Art hätte es kaum bedurft, denn im Spitalkeller steppte der Bär – längst bevor der Warm-up-Song „Armer Junge weint, armes Mädchen auch“ gespielt war.

Die Presse schreibt ja gerne, Herr Koppruch verstehe sich gut darauf, geschichtenerzählend schöne Lieder zu schreiben. Das Live-Publikum, sofern es die Gunst der Stunde nutzt, mit Zuspruch nicht geizt und auf eine wohltemperierte Stimmung trifft, darf auch ab und an erleben, dass der Herr Koppruch weitere Geschichten im Gepäck mitführt, die von Abend zu Abend neue Facetten gewinnen oder wie Seemannsgarn umgedichtet werden. Das sind die kleinen Fußnoten der Songs, die staubtrockenen Humor aufwirbeln, auf die sowohl Lachen als auch Husten eine adäquate Reaktion wäre.

Die besten Geschichten des Abends:

“ Das nächste Stück ist ein ornitologisches Lied, es hat mit Naturbeobachtung zu tun, Sexualität, Verlustängsten… – und mit der Aussichtslosigkeit Musiker zu sein. – „Mein einziges Lied“

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„Dies hier ist ein Lied, das wir für das Berufsinformationszentrum in Hamburg geschrieben haben für die Sparte „Musikant“. Die wollten nicht nur eine Broschüre haben, sondern sie wollten auch gerne was Akustisches haben. Und dann haben sie mich gefragt, ob ich sowas nicht machen könnte, ich wär ja schon lange ….. äh …. unterwegs! Und zufällig auch noch Musiker. Ja, ja mach ich gern, hab ich gesagt. Dann haben wir das auch gemacht  – und jetzt hoffen wir, dass es in Zukunft … ein paar weniger Bands gibt. – „CARUSO“

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„Das nächste Lied ist eins, das 2000 Jahre alt ist – sehr alt. Ich hab es geschrieben auch als eine Art Auftragsarbeit, als sie damals den Film „Quo vadis“ gedreht haben. Und zwar für folgende Szene: Die Löwen sind schon hungrig in der Arena, die Christen in Bettlaken eingehüllt sitzen unten im Kerker und warten jetzt darauf … naja … ihrem Schicksal ins Auge zu sehen und sie singen erbauliche Lieder. Auch ich hab eins eingereicht dafür. Ich hatte das als Fussballhymne angelegt, ja … den Rhythmus ein bisschen rausgenommen und …. Außerdem soll es ein wenig unseren CD-Verkauf ankurbeln. Also es ist wirklich ein gut gelungenes Lied geworden.  – „Noch nichts ist verloren“

Die Offenburger haben Nils Koppruch & Den Wald mit Jubel und offenen Armen empfangen und hätten ihn wohl auch am liebsten nicht mehr weiterziehen lassen. Und das nicht allein wegen der unterhaltsamen Ansagen sondern vor allem wegen eines großartig gespielten Konzerts.

(Dank auch an Uli Teute!)


BonnerLärmAnstalt spielt leise Töne – Nils Koppruch @ BLA

Das Stammpublikum des BLA mag an diesem Abend seinen Ohren nicht getraut haben. Ruhige, deutsche, folkige Töne wo sonst Dezibel regieren! Welche Umstände auch immer dazu geführt haben mögen, Nils Koppruch und den Wald in einen Laden zu lotsen, der sonst eher die härtere Gangart pflegt, mag rätselhaft bleiben, für Fans in NRW war es auf jeden Fall eine Freude, Nils und Band live hören zu können.

Die Supportband Leoniden aus Kiel bretterte in anspruchsvollem Disco-Punk zunächst durch ein 30minütiges Set, dass Stammgäste wohl zum Verweilen einladen sollte und von Koppruch-Hörern geduldig belauscht wurde. Die Bühnenpräsenz des Sängers und Frontmannes überzeugte nicht unbedingt, dafür lieferten der Gitarrist beachtliche Darbietungen in Form von Ausdruckstanz mit Gitarre und der Bassist in technischer Qualität.

Die Umbaupause brauchte es dann, um die Gehörgänge wieder frei zu bekommen. Trotz des beachtlichen Lärmpegels kann dem BLA ein glasklarer Sound attestieren werden, was besonders dem Konzert von Nils Koppruch & Dem Wald sehr zugute kam. Im Vergleich zu den Vorgängerkonzerten der Tour schien das Set an diesem Abend ein wenig abgespeckt, auf das fulminante „Staub und Gold“ oder die Fink-Klassiker „Loch in der Welt“ oder „Kleines grünes Haus“ wurde verzichtet. Auch die Ansagen zwischen den Stücken entfielen überwiegend oder verblieben im Monolog. Den neuen Song „Zieh dein Hemd aus Moses“ stellte Nils vor als Arbeits-Shanty. Das Publikum, das sicher nicht nur aus dem Bonner Raum stammte, war in jedem Fall begeistert und konnte sich eine umfangreichere Zugabe in Form von zwei Solo – und weiteren zwei Bandstücken erklatschen, darunter das wunderschöne Stück „Wohin du gehst“! In den zweiten Schlussapplaus spielten die Clubbetreiber Musik ein und beendeten den Abend etwas abrupt auf ihre Weise.

Viele Konzertbesucher nutzen den Umstand des fehlenden Backstage-Raumes, um im Anschluss ans Konzert noch ein wenig mit Nils zu plaudern, CDs zu kaufen und diese signieren zu lassen oder sich mit Handschlag persönlich zu verabschieden.

Nicht nur die hier Schreibende hat das BLA mit einem glücklichen Lächeln verlassen!


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