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CARUSO und DEN TEUFEL TUN werden in Vinyl veredelt

Für alle Vinyl-Liebhaber und akustischen Gourmets unter den Nils Koppruch und FINK-Fans fügt das Label Grand Hotel van Cleef  den großartigen Tribute-Veröffentlichungen  des kommenden August (nota bene: ab 22.08.14 bei Trocadero) noch ein Sahnestückchen hinzu.

Am 8.August 2014  erscheinen die Alben CARUSO und DEN TEUFEL TUN erstmalig als Vinyl-LPs. Wer sie jetzt im Shop bei GHvC  vorbestellt, erhält die Lieferung bis zum Veröffentlichungstermin. Die LPs kosten 15€, ein mp3-Download-Code ist inbegriffen.

GHvC

Das Wesentliche dieses Post wäre damit gesagt. –

Dennoch:

Wer die Solo-Wege von Nils Koppruch nach 2007 ein wenig mit verfolgt hat wird nachvollziehen können, welchen holprigen Weg besonders das Album „Den Teufel tun“ nehmen musste, bis es heute, quasi wie aus dem Staub, wieder als Vinyl zu Gold werden durfte. Nachdem die Plattenfirma  V2, die das Album ursprünglich veröffentlicht hatte, im Jahr 2007 verkauft wurde, wanderten Restbestände des Albums und die Urheberrechte an den aufkaufenden Konzern Universal Music. Nils selber witzelte manches Mal, sie hätten die restlichen CDs wohl in den Schredder gesteckt. Es war von dem Zeitpunkt an jedenfalls nicht mehr im Handel erhältlich. Dem gemeinsamen Bemühen von GHvC und Wintrup-Verlang ist es zu verdanken, dass das Album dann im Dezember 2010 wieder als CD veröfffentlicht werden konnte, hier der Bericht dazu in diesem Blog.

In einem besseren Sinn kann man den Teufel nicht tun!

An dieser Stelle ein riesiges Danke an die kleinen und doch so engagierten Hamburger Label Grand Hotel von Cleef und Trocadero, die sich nach Kräften und mit Herzblut dafür einsetzen, Nils Koppruch ein umfangreiches und würdiges Denkmal zu setzen.


Kid Kopphausen I

 

 © Foto Dennis Williamson

Die phänomenale Kooperationsfreude des Songwriters Gisbert zu Knyphausen, den der Erfolg zwischen 2009 und 2012 schwindelerregend durch die Decke katapultierte, ist in der deutschen Songwriterszene sicher eine erfreuliche Besonderheit. So nahm er mit Nils Koppruch lange vor der Mitwirkung an „Die Aussicht“ (Caruso) den Benefizsong „Knochen & Fleisch“ für ein Hamburger Obdachlosenmagazin auf, mit Lichter wurde getourt und wurden gegenseitig Songs („Leerer Raum“, „Spieglein Spieglein“) gecovert, von Daantje & the golden handwerk lieh Gisbert sich zunächst „Wer Du bist“, im Gegenzug konnte Daantje mit der kompletten Band sein Album „ach“ produzieren. Mit Schöftland aus Bern entstand „Hier in der Kleinstadt“, mit Clickcklickdecker alias Kevin Haman gab es die Split-Single „Frau Himmelblau bittet zum Tanz“ & „Die Aufgabe davor und die Abgabe danach“, mit Herrenmagazin nahm man gemeinsam „Alle sind so“ auf. Und die Liste ließe sich wohl noch erweitern …

Hinter all diesen Gemeinschaftsprojekten steht sicher mehr als die Bereitschaft, andere Musiker generös mit ins Erfolgs-Boot zu nehmen, das gerade so gut über die Wellen des Musikbusiness schippert. Gisbert lädt seine Hörer gerne ein, über den Tellerrand zu hören, auch wenn´s nicht seiner eigener ist. Und er scheint sehr offen zu sein für unterschiedliche, musikalische Impulse, Ideen und Herangehensweisen. Kompatibel, neugierig und experimentierfreudig von Hip-Hop über Elektro-Pop, von LoFi bis Punk, und dabei dennoch unverkennbar stiltreu und authentisch.

Während dieser Blogbeitrag entsteht haben Herr KOPPruch und Herr zu KnypHAUSEN mit einer Handvoll ausgewählter Musiker die Phase der intensiven Proben für das gemeinsame Album abgeschlossen, um erfolgreich zu konservieren und zu veredeln, worauf die mehr als neugierige Hörerschaft beider Künstler seit Monaten wartet. Das gemeinsame Werk wird beim Label  Trocadero erscheinen und soll, laut Information des Rolling Stone schlicht „I“ lauten. „Kid Kopphausen“ sei zunächst der griffige Werktitel, den man aber noch erweitern wolle, verriet Nils im Januar bei einem Video-Interview für Knust TV. Gisbert gab in einem Interview für den Musikblog „Lieblingstape“ im Februar preis, dass der Name „Kid Kopphausen und die Steinfeldvariation“ lauten könnte. Aha.

Nun denn, das Kind braucht einen Namen und wie auch immer das „Ki(n)d“ getauft wird, soll der Name wohl schon zeigen: es ist weder Nils drittes Solo-Album ohne FINK mit Kooperation von Gisbert, noch Gisberts drittes Bandalbum. Es ist die Umsetzung eines beiderseits lange gehegten, aber wegen Zeitmangel aufgeschobenen Plans, etwas Gemeinsames zu produzieren. Wir dürfen uns auf ein komplett eigenständiges Projekt mit einer eigenen Bandformation freuen. Welche Musiker dabei im einzelnen mitwirken wurde bislang nicht verraten. Immerhin rückt das Release-Datum Mitte August in Countdown-fähige Dimensionen und ein paar Daten des ersten Tourabschnitts in den wichtigsten Metropolen der Nation stehen auch bereits fest.

Als kleine Kostprobe der neuen Songs: „Zieh dein Hemd aus Moses“ – unplugged

[youtube.com/watch?v=-E9VuiDqWRU]


Offenburg feierte Nils Koppruch & den Wald

Fotos mit freundlicher Genehmigung von © Frank Zimper

Herausragend auf der kleinen Herbsttour von Nils Koppruch & Der Wald verlief das Konzert am 07.10.  in Offenburg. Nils Koppruch konstatiert einleitend: „Es kommen heute  viele Details zusammen, die einen guten Abend ausmachen. Und zwar hat man uns versprochen, den besten Tontechniker der Welt da zu haben. Dann hat man uns versprochen, das beste Publikum der Welt hier zu haben. … Und wir haben dann behauptet, die beste Band zu sein“.
Augenzwinkernden Übertreibungen dieser Art hätte es kaum bedurft, denn im Spitalkeller steppte der Bär – längst bevor der Warm-up-Song „Armer Junge weint, armes Mädchen auch“ gespielt war.

Die Presse schreibt ja gerne, Herr Koppruch verstehe sich gut darauf, geschichtenerzählend schöne Lieder zu schreiben. Das Live-Publikum, sofern es die Gunst der Stunde nutzt, mit Zuspruch nicht geizt und auf eine wohltemperierte Stimmung trifft, darf auch ab und an erleben, dass der Herr Koppruch weitere Geschichten im Gepäck mitführt, die von Abend zu Abend neue Facetten gewinnen oder wie Seemannsgarn umgedichtet werden. Das sind die kleinen Fußnoten der Songs, die staubtrockenen Humor aufwirbeln, auf die sowohl Lachen als auch Husten eine adäquate Reaktion wäre.

Die besten Geschichten des Abends:

“ Das nächste Stück ist ein ornitologisches Lied, es hat mit Naturbeobachtung zu tun, Sexualität, Verlustängsten… – und mit der Aussichtslosigkeit Musiker zu sein. – „Mein einziges Lied“

~~~

„Dies hier ist ein Lied, das wir für das Berufsinformationszentrum in Hamburg geschrieben haben für die Sparte „Musikant“. Die wollten nicht nur eine Broschüre haben, sondern sie wollten auch gerne was Akustisches haben. Und dann haben sie mich gefragt, ob ich sowas nicht machen könnte, ich wär ja schon lange ….. äh …. unterwegs! Und zufällig auch noch Musiker. Ja, ja mach ich gern, hab ich gesagt. Dann haben wir das auch gemacht  – und jetzt hoffen wir, dass es in Zukunft … ein paar weniger Bands gibt. – „CARUSO“

~~~

„Das nächste Lied ist eins, das 2000 Jahre alt ist – sehr alt. Ich hab es geschrieben auch als eine Art Auftragsarbeit, als sie damals den Film „Quo vadis“ gedreht haben. Und zwar für folgende Szene: Die Löwen sind schon hungrig in der Arena, die Christen in Bettlaken eingehüllt sitzen unten im Kerker und warten jetzt darauf … naja … ihrem Schicksal ins Auge zu sehen und sie singen erbauliche Lieder. Auch ich hab eins eingereicht dafür. Ich hatte das als Fussballhymne angelegt, ja … den Rhythmus ein bisschen rausgenommen und …. Außerdem soll es ein wenig unseren CD-Verkauf ankurbeln. Also es ist wirklich ein gut gelungenes Lied geworden.  – „Noch nichts ist verloren“

Die Offenburger haben Nils Koppruch & Den Wald mit Jubel und offenen Armen empfangen und hätten ihn wohl auch am liebsten nicht mehr weiterziehen lassen. Und das nicht allein wegen der unterhaltsamen Ansagen sondern vor allem wegen eines großartig gespielten Konzerts.

(Dank auch an Uli Teute!)


Der Vogel singt nur …

 

© Kerstin Schomburg

Interviews verlaufen manchmal nach dem Motto: „Der Vogel singt nur bis du nach ihm greifst.“ Also steckt man Fragen besser wie kleine Zweige in einen Baum und wartet, bis der Vogel sich drauf niederläßt. So in etwa sind die folgenden Antworten auf neugierige, nicht allzu private, sachbezogene Fragen an Nils Koppruch entstanden. Lauscht:

  • Rückblick – Ausblick: Wie war die bisherige Resonanz auf „Caruso“ und auf den Konzerten? Was wünscht du dir musikalisch für 2011/12?

Soweit ich das verfolgen konnte, ist Caruso weitgehend wohlwollend aufgenommen worden. Das Album hat gute Kritiken bekommen, die Plattenfirma sagt, sie ist zufrieden mit den Verkäufen.

Die Konzerte mit der Band, die sich jetzt „DER WALD“ nennt, waren allesamt  besonders schöne Abende. Es waren möglicherweise zwei, drei der besten Konzerte  die ich / wir  in den letzten 10 Jahren gespielt haben.

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, wir würden ein paar mehr Menschen für die Konzerte interessieren können. Das würde einiges erleichtern und auch ausgedehntere Touren möglich machen.

Zur  Zeit arbeite ich an neuen Songs, sowohl für Nils Koppruch & DER WALD, aber auch für ein gemeinsames Projekt mit Gisbert zu Knyphausen. Gisbert und ich werden im nächsten Jahr ein gemeinsames Album veröffentlichen.

Außerdem bereite ich gerade eine Ausstellung mit dem Titel „SEEMANNSHEIM 2“ vor.

  • Aus den schlichten Arrangements von „Den Teufel tun“ sind teilweise überraschend füllige, teils rockige Live-Versionen geworden. Wer war der wesentliche Motor, die Stücke heute so zu arrangieren? Entwickelt sich das aus der Zusammenarbeit mit anderen Musikern oder wolltest in erster Linie Du die Stücke so verändern?

Ich betrachte meine Songs als etwas, das sich verändern darf und sollte. Es würde für mich keinen Sinn machen einen Song  „nach zu stellen“. Die Songs sollten sich mit der Band, dem Sänger, der Zeit etc. verändern dürfen. Natürlich spielt dabei die Zusammenarbeit mit anderen Musikern eine wichtige Rolle.

Unter Berücksichtigung der Musiker mit denen ich spiele geht die Initiative allerdings überwiegend von mir aus. Ich bin einfach interessiert daran wie  weit ich die Songs strapazieren kann und wie sie sich durch eine andere Tonart, ein neues Arrangement, eine andere Besetzung verändern und wie sie sich dadurch auch in ihrer Bedeutung / Aussage verändern.

  • Welche wesentlichen Eigenschaften muss jemand mitbringen, damit deine Zusammenarbeit mit ihm gut funktioniert? (nicht nur musikalisch gesehen)

Oha, da habe ich keinen Kanon oder Katalog.  Es funktioniert oder es funktioniert nicht.  Und ich habe mich da schon oft getäuscht.

  • Touren ist sicher oft wie Wanderzirkus-Dasein. Bist du nach all den Jahren noch gerne unterwegs, neugierig auf Städte und Leute?

Ja, bin ich. Es ist immer eine sehr intensive und auf die Musik fokussierte Zeit. Und selbst wenn ich von einzelnen Städten, Orten und Menschen manchmal nicht viel mitbekomme, ist allein die Bewegung, der Rhythmus des Reisens und die manchmal extremen Veränderungen von Tag zu Tag, Abend zu Abend inspirierend und spannend.

  •  Wie kam es zur Neubesetzung der Gitarre mit Marcus Schneider?

Ich hatte mit mehreren Gitarristen gesprochen und geprobt, schließlich fiel die Wahl auf Marcus weil es sich am  besten und sichersten anfühlte. Natürlich war die Einschätzung von „DER WALD“ aber ebenso wichtig.

Marcus ist ein sehr, sehr guter Musiker, der durch seine Arbeit  in anderen Bands und durch seine Erfahrungen als Produzent, Tonmischer etc. einen weiten Horizont als Musikschaffender mitbringt. Auch stilistisch hat Marcus viele Möglichkeiten ohne dabei dem klassischen Klischee des „Muckers“ zu entsprechen.

  • Du sagst, du bist auf der Suche nach dem ultimativen Lied, das die Welt erklärt. Mit welchem Song bist du dem Ziel bislang am nächsten gekommen? Gibt es für dich einen Musiker, der so etwas schon mal geschafft hat?

Ich betrachte das mehr als eine Idee, als eine tatsächliche Möglichkeit. Meine grundsätzliche Motivation beim Schreiben ist allerdings schon, eine möglichst universelle Aussage zu machen. Eine möglichst zeitlose Wahrheit  in den Dingen die mich beschäftigen zu finden und diese möglichst gut in Text und Musik zu formulieren. Anders gesagt: Ich versuche die unverständliche Welt um mich in Worte zu fassen.

  • Was macht Musik aus, die dir persönlich gefällt, die dich anspricht/erreicht?

 Sie muss irgendeinen Haken haben, an den ich anbeiße. Und ich muss sie entdecken können.

  • Stichwort „Paul McCartney-Methode“: Entstehen deine Songs/Ideen als Spontangeburten in wenigen Stunden oder gehst du mit einer Idee lange „schwanger“? Was überwiegt?

Eher weniger Spontangeburten. Kommt vor, ist aber selten. Meistens doch erst der natürliche Weg mit Schwangerschaft, Geburt, Erziehung, Lehre, Studium und dann, wenn’s gut geht Veröffentlichung.

  • Vögel spielen in deinen Lieder oft eine Rolle: z.B. „mein einziges Lied“, Der Bandname FINK, „der Vogel singt nur bis du nach ihm greifst“. Du hast vor kurzem Tom Waits zitiert: einen guten Song schreiben sei wie einen kleinen Vogel lebendig einzufangen … Wieso sind Vögel so zentral, welche Eigenschaften verbindest du mit ihnen?

 Vögel singen ohne Anspruch. Und sie fliegen! (also die meisten)

  • Welche Beziehung hast du zum Medium Internet und sozialen Netzwerken?

Es ist ein Fluch und ein Segen! Ich versuche mich  vor dem Gefühl zu schützen, ständig verfügbar und erreichbar zu sein / sein zu müssen. Die Flut von Informationen, Anforderungen, Angeboten, Anfragen und dazu der ganze Spam macht mich nervöser als ich sein sollte.

  •  Schaust du gern in deinen (Mail)- Briefkasten?

Meistens eher nicht. Außer ich erwarte konkrete gute Nachrichten.

  •  Musik wird immer stärker in mp3-files/Downloads konsumiert. Als Musiker denkt man sicher in Alben-Konzepten. Siehst du den Tod des klassischen Albums/physischen Tonträgers bevorstehen? Würde dir Musikmachen noch Freude bringen und sich rentieren, wenn diese Tendenz anhält?

Musik machen hat ja erstmal nichts mit der Form der Veröffentlichung zu tun. Musik machen wird mir sicher auch weiter Freude machen. Und wenn es eine Sammlung von Songs gibt, die  aus guten Gründen die Form einer Sammlung (Album) haben sollen, dann wird auch das sicher irgendwie möglich sein.

Vielleicht werden sich auch  zukünftig andere spannende Möglichkeiten der Veröffentlichung bieten.

  • Für mich zentral: „Den Himmel sehn wir uns an hier und jetzt“, „davor ist nichts und danach“ – Dahinter steht eine atheistische, sogar nihilistische Grundhaltung. Du giltst als gelassen, nicht verhaftet an materielle Dinge oder Eitelkeiten. Aber auf der Suche nach der Essenz.   Gibt es etwas, dass deine Lebenseinstellung wesentlich geprägt hat? Dein Lebensumfeld, bewusstseinserweiternde Erfahrungen? Hast du dich mit bestimmten Philosophien oder Religionen jemals intensiver beschäftigt?

Zum ersten Teil der Frage : Ganz sicher! Zum zweiten Teil der Frage : Ja, Nee.

  •  Luxus ist für dich …?

Luxus habe ich noch nie begriffen. Ist das eine knappe Resource , die mich durch ihren Besitz glücklicher als die anderen macht? Falls Luxus mich glücklich machen kann, bin ich auf alle Fälle dafür.

  • Tino Hanekamp hat den Pressetext zu deinem Album „Caruso“ verfaßt. Du bist als Musiker regelmäßig im Ü&G zu Gast. In seinem Buch „Sowas von da“ kommst du am Rande auf einer Setlist vor. Wenn das Buch verfilmt würde und man dir eine Rolle einräumte– würdest du sie als Schauspieler annehmen?

Ehrlich gesagt habe ich da keine Ambitionen. Als Abenteurer würde ich  dann einfach die Rolle nehmen die man mir zuweist.

*Abschließend  an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Nils für die Einblicke & Ausblicke und das bereitwillige & geduldige Beantworten der Fragen! *


Über Hamburgs Dächern

Am 22.07. findet auf dem Dachgarten des Clubs Übel & Gefährlich ab 21:00Uhr das jährliche Freiluftkonzert mit Nils Koppruch statt. Kaltgetränke aus Plastikbechern schlürfend kann man Nils vor der Kulisse Hamburgs lauschen.

Rückblick:

Nach der Eröffnung des Dachgartens auf dem Medienbunker in der Feldstraße 66 im Juli 2008 war Nils einer der ersten Künstler, der das neu erschlossene Terrain bespielen durfte. Damals war das eine sehr gemütliche Angelegenheit, Nils spielte solo vor kleinem Publikum und untergehender Sonne. 2009 konnte man ihn an gleicher Stelle als Support für die Band Veranda Music hören. Es war ein Konzert, bei dem bereits die ersten Stücke des in Arbeit befindlichen Albums  CARUSO angetestet wurden.  Unter klarem Sternenhimmel zauberte „Vergessen was ich wußte“ oder „Wissen mußt du es doch“ zum ersten Mal Gänsehaut. Im Augsut 2010 feierte Nils Koppruch, unterstützt vom „Wald“  alias Oliver Stangl, Lars Paetzelt und Christoph Kähler auf dem Dachgarten den Release des endlich fertiggestellten Albums CARUSO.

Das Highlight unter den jährlichen Koppruch-Konzerten findet am kommenden Freitag Abend  zum vierten Mal in Folge statt. Sollte der Sommer sich in diesem Jahr witterungsmäßig ausnahmsweise mal zickig geben, wird das Ganze nach innen verlegt. Die Abendkasse hält Tickets bereit, also kommt zahlreich!


Festival-Wochenende Teil 2: RhEINKULTUR

Zu Deutschlands größtem, eintrittsfreien Festival in den Bonner Rheinauen, der RhEINKULTUR, hier nur ein paar Eckdaten: Das Festival hat seinen Überlebenskampf Dank zahlreicher Unterstützer für 2011 bestanden, wie immer gibt es vier Konzert-Bühnen, Dank optimalem Wetter kommen 160.000 Besucher, Einlaßstopp ab 18:00Uhr weil die Wiese voll ist, Krawalle an der Hip-Hop-Bühne mit Polizeieinsatz und Programmabbruch, Medienpräsenz von Rockpalast und anderen Sendern an den Hauptbühnen, „wo die echte Bombe tickt“.

Ein wenig abseits vom Strom liegt die Grüne Bühne, wo ab 18:00Uhr Nils Koppruch spielen wird. Dies ist eigentlich der schönste Ort der Festivals, wenn man Musik hören möchte. Hier treten meist Solo-Künstler, internationale Singer-Songwriter, unentdeckte Talente oder sonstige Skurilitäten auf. Also eher der Platz für neugierige Musikfans als für spaßwütiges Tanzvolk. Eine breite Wiese schwingt sich gegenüber der Bühne hoch zu einem großzügigen, baumbeschatteten Hang, der von Zuhörern immer gut bevölkert wird.
Da das Festival pünktlich um Mitternacht beendet sein muß, herrscht ein straffer Zeitplan. Für die Musiker bedeutet das fliegenden Wechsel: backstage einchecken – Sound checken – Show spielen – auschecken.
Nachdem die Vorgängerband „Max Prosa“ ihr Konzert beendet, strömen viele Anwesende weiter zur roten Bühne, auf der zeitgleich mit Nils Koppruch die Band Jupiter Jones angekündigt wird. Soll´n sie doch! Wie so oft: die Leute, die Nils Koppruch sehen wollen, sind nicht immer zahlreich, dafür aber sehr aufmerksam bei der Sache. Im Bereich vor der Bühne finden sich um die 100 aktiven Zuschauer ein. Am Hang sitzen geschätzte 300 passive Mithörer. Der Zeitplan sieht nur 40 Minuten Spielzeit vor. Die trocken-humorigen Ansagen zu den Stücken sind heute daher selten und die Setlist um vier Songs kürzer, als am Vorabend in Duisburg (s. Bericht)

– Armer Junge weint
– Mit eigenen Augen
– Kirschen
– Den Teufel tun
– Komm Küssen
– Talkin´ Darum Blues
– Die Aussicht
– Wort im Wasser
– Verrückt vor Liebe
– Loch in der Welt
– Stadt in Angst

 Eine Fan-Clique aus dem Dunstkreis des Grand Hotel van Cleef sorgt für ausgelassene Stimmung. Jubel, Gesang, Arm-in Arm-Geschunkel. Wir sollten diese Schunkel-Reihe doch bitte fortsetzen bis zur Hip-Hop Bühne, freut sich Nils. Gute Laune auf und vor der Bühne sowieso.

Ein netter Mensch hat drei Videos vom Konzert gemacht, hier das schönste davon, „Kirschen“:

Der Applaus schlägt gerade in Zugabe-Rufe um, doch der Moderator der grünen Bühne leitet bereits schmerzlos zur nächsten Band über. Wer die Muße hatte, noch ein wenig zu bleiben, konnte später am Rande der Bühne eine CARUSO CD erwerben und signieren lassen.
Schade, dass ein verdammt schönes Konzertwochenende hier schon enden muss. Musikalisch klingt Nils mit Band so rund, als hätten sich Lars Paetzelt (Bass) und Marcus Schneider (Gitarre) jetzt gerade richtig warmgespielt. Nun müsste man doch bitte noch ein paar Termine dranhängen!
In absehbarer Zeit steht erst mal das Dachgartenkonzert des Clubs Übel & Gefährlich in Hamburg auf dem Plan. Also: Hingehen!

Fotos © Astrid Mönch-Tabori, Verwendung nach Rücksprache

Festival-Wochenende Teil 1: Traumzeit Duisburg

Duisburg. Landschaftspark: ein unüberschaubares Areal aus stillgelegten Industriegebäuden in eigenwilliger Ästhetik, ein überdimensionales Museum einer überholten Arbeits-Kultur. Am Eingang empfangen zunächst Bier- und Imbissbuden den Orientierungssuchenden. Nils Koppruch spielt ab 20:00Uhr in der Pumpenhalle. Der Lageplan am Weg kennt nur eine Gießhalle. Also durchfragen. Intuitiv eine Richtung einschlagen. Zwei freundliche Herren von der Securitiy bestätigen über die Schulter deutend, dass in diesem Gebäude gleich ein Konzert stattfände. Ein Blick durch trübe, bleiverglaste Scheiben zeigt eine Bühne. Gut. Darauf ein paar Mikroständer, Banjo und Gitarren. Auch gut. Drei Stühle. Stühle?! Seltsam. Kein Schlagzeug dafür aber ein Mikro, dass auf Augenhöhe eines Dackels montiert sein könnte. Ob der Sicherheitsmann und ich das gleiche Konzert meinten? Aber diese helle Fender-Westerngitarre mit rotbraunem Schlagbrett, die kennt man doch. Neben mir lugt noch jemand prüfend durchs trübe Glas und bestätigt dann in tiefstem, bayerischen Slang, das wir hier richtig sind. Perfekt.

Der Raum vor der Bühne der Halle bildet ein tieferliegendes Carreé, umrahmt von Treppenstufen, auf dem sich die Zuhörer nach dem Einlass verteilten. Zwei Herren in sandfarbenen Anzügen, mit runden Panamahüten nehmen auf den Stufen vor der Bühne Platz und liefern eine kleine Anmoderation. Der Herr Namens Klaus – wohl Koppruch Fan der ersten Stunde – zitiert die Textzeilen: “ Werft mich in einen Fluss und wenn ihr Pech habt hab ich Glück, und komm mit einem Fisch im Maul zurück.“ (Fisch im Maul, von: Loch in der Welt, 1998). Das geht ja schon mal gut los!

Nils und seine Mitstreiter Lars Paetzelt (Bass) und Marcus Schneider (Gitarre), werden als Band auch unter dem Namen „Der Wald“ vorgestellt und lassen es mit „In die Stille“ erst mal gemach angehen. Es fehlt der Schlagzeuger, seinen Part übernimmt Nils mit dem rechten Fuß. Der schwere Stiefel bearbeitet ein selbstgebautes Percussionsbrett, das per Mikro verstärkt wird. Also doch kein Dackel auf der Bühne. Aber dies ist wohl der Grund, warum die Herren heute sitzend aufspielen.“Mit eigenen Augen“ kommt so schwungvoll daher, dass man mit klatschen muss, der fehlende Drummer wird gut kompensiert. Was auch fehlt sind Nils lässige Ponyfransen. Der neue Schnitt sieht aber fesch aus, Nils wirkt irgendwie frischer als zuletzt noch beim Konzert von Hamburg Sounds.
Bei „Armer Junge weint“ schluchzt die Gitarre so hinreißend, dass man sich über die Neubesetzung mit Marcus Schneider außerordentlich freuen darf. Auch in zweistimmigen Gesangsparts liefert er gute Unterstützung. Oliver Stangl, der bislang die Saiteninstrumente bediente, ist seit einer Weile Bestandteil der Band Clickcklickdecker.

Nils bietet zwischen den Songs dem Publikum an, den leeren Raum vor der Bühne zu füllen. Wir könnten uns doch eine Blasenentzündung holen. Doch da alle gute Sicht aufs Geschehen haben und niemand als erster vortreten mag, bleibt es bei dieser Distanzbeziehung. Auf die Stimmung wirkt es aber nicht bremsend, die inzwischen Anwesenden spenden großzügig Beifall und Begeisterung. Die Szene hat etwas von Straßenmusik.
Immer wieder kraftvoll und erfreulicherweise in der Set-List: „Talking Darum Blues“ Trotziger Vorwurf: „Warum gerade so, warum nicht anders …!“ Und dann versöhnlich: „Komm Nachbar setz dich hierher, wir werfen eine Blume ins Meer, wir trinken auf das Leben und den Tod, und einen, Nachbar, nehmen wir zum Trost“ (FINK, Haiku Ambulanz, 2003) Lieblingslied!
Als Song, der für das Berufsinformationszentrum entstand, wird „Die Aussicht“ angekündigt, oder auch als Stück, das ohne Ansage auskommt. Kleine Irritation, nicht nur beim Zurechtlegen der Mundharmonika. Dem Schutzheiligen aller Musiker ist dann das Stück „Caruso“ vom gleichnamigen Album gewidmet.

Das Spannende an Koppruch Konzerten ist, dass alte Songs oft in völlig neuem Gewand erscheinen. So heute das „Loch in der Welt“: „Ich hab das Loch in der Welt gesehn, ich hab reingeschaut, jetzt weiß ich wie sie den Tag andreh´n, und wer die Stunden zerkaut. …“ Leicht irre gesungen, sphärische Klänge auf der Gitarre, eine extended version, die weit entfernt vom Original liegt, aber grandios!
Das nächste Stück habe er aus der Apothekerzeitung abgeschrieben, es beschreibt eine Krankheit, die wir alle kennen. „Verrückt vor Liebe“ swingt, leicht kabarettistisch und augenzwinkernd über die Bühne. Auch ein Stück, das sich weit von der schweren, bläser-lastigen Albumversion entfernt hat.
Nach „Wort im Wasser“, „Den Teufel tun“ und „Komm küssen“ beschließt Nils Koppruch das Programm mit „Stadt in Angst“, das ja auch auf dem jüngsten Album CARUSO den Rausschmeißer (oder besser Türöffner?) macht.

Die auf gut 150 Leute angewachsene Zuschauermenge fordert pfeifend und klatschend nach Zugaben. „Was Staub war und Schmutz wird aus Gold sein…“ mit der fülligen Version von „Staub und Gold“ (Album: Den Teufel tun, 2007) verabschiedet sich das gut gelaunte Trio von der Bühne.
Fazit: Rund um ein gelungenes Konzert, guter Sound, ansprechende location – hat großen Spaß gemacht!

 

Fotos: © Astrid Mönch-Tabori, Verwendung bitte nach Rücksprache

Sommer, Seuche, Sintflut, Kirschen und Konzerte

© Foto: Kerstin Schomburg

In diesem Jahr gibt´s Kirschen wenn der Sommer kommt“.

Diese Zeile durfte man sich im letzten Jahr, als Nils Koppruch kurz vor dem Album „Caruso“ die Single „Kirschen“ veröffentlichte, mit leichter Wehmut anhören. Es war August und die Erntezeit der ersten, knackigen Sommerfrucht leider vorbei. Im August erntet man eher Äpfel oder Birnen. Die erinnern aber irgendwie schon an Herbst und ihre Kerne spucken sich längst nicht so lässig wie die der Kirschen. Angesichts der voranschreitenden Jahreszeit rief der Titel „Kirschen“ bei manchem die Assoziation an wärmende Kirschkernkissen hervor. Behagliche Vorstellung, sie ließen sich als Merchandise-Artikel sicher leicht herstellen … aber irgendwie doch nicht so prickelnd wie der Gedanke an reifende Möglichkeiten des Frühsommers. Ähm – wir schweifen ab.

Der Sommer 2011 kommt, ohne wenn und aber. Nach unserer musikalischen Zeitrechnung geht es (passend zur Kirschernte?) los am 20.06.11. In den Hamburger Fliegenden Bauten wird Nils Koppruch begleitet von der Band „Der Wald“ im Rahmen der Konzertreihe NDR 90.3 Hamburg Sounds auftreten. Verpassen kann man diesen Auftritt quasi nicht, denn NDR 90,3 kündigt an, das Konzert live im Web-TV zu übertragen (19:30Uhr)!
Anfang Juli kann man Herrn Koppruch an einem Wochenende gleich auf zwei Festivals in NRW hören. Am Freitag, den 01.07. steht ein Konzert beim Traumzeitfestival in Duisburg auf dem Zettel, am Samstag, den 02.07. sogar die Bonner Rheinkultur. Die Rheinkultur ist mit jährlich zwischen 100.000 – 200.000 Besuchern eines der größten, eintrittsfreien Musikfestivals Deutschlands. Fans in NRW dürften erfreut sein, denn in der Gürtelzone der Republik schien die Häufigkeit der Konzerte in den letzten Jahren etwas abgespeckt.

Mittlerweile ein Klassiker und Highlight unter den jährlichen Koppruch-Konzerten folgt am 22.07. über den Dächern Hamburgs. Aus Plastikbechern schlürfend kann man Nils auf dem Medienbunker vor dem Kulisse der Stadt mit ganzem, halben oder ohne Wald im Sonnenuntergang lauschen. Diese Ü&G-Konzerte muss man erlebt haben!

Wenn auch der letze Kirschkern der Saison verbuddelt ist, erwartet man Nils am 01.09. auf dem Innenhoffestival in Villingen und am 02.09. im Café Central in Weinheim.

Gut. Soweit der Sachstand: Sintflut, Strahlen, Seuchen, Stürme – dabei ist erst Juni. Erntet solang die Bäume tragen. (Kirschen hängen immer oben und werden auch nicht mit Gülle gedüngt). Die Termine sind nicht üppig gesät, mögen die Früchte umso süßer ausfallen!


Konfetti und Applaus! Nils Koppruch & Gäste im Knust

Das KNUST war bereits gut besucht, als Nils Koppruch gegen 21:00Uhr die Bühne betrat und seinen Gast, die One-Man-Vorband „Daantje & the golden handwerk“ aka Joachim Zimmermann persönlich vorstellt. Das Hamburger Publikum zollte ihm von den ersten Takten an konzentrierte Aufmerksamkeit. Es brauchte „Nicht viel“ an diesem Abend, um glücklich zu sein. Daantje, ausgerüstet mit einem Post-it als Setliste, etwas Mineralwasser und einer akustischen Gitarre schien beim überraschten Blick über den Brillenrand angesichts der vollen Bude seinen Augen selber kaum zu trauen. „Ihr seid so ruhig!“ stellte er zwischendurch ungläubig fest. Der Standard-Satz, mit dem sich Support-Acts gelegentlich für das unhöfliche Gequassel ihres Publikums entschuldigen, also: „Ich weiß ja, eigentlich wartet ihr ja auf Nils Koppruch“, war leicht überflüssig, denn was der sympathische Stuttgarter trotz Krampf in der linken Hand minimalistisch auf die Bühne brachte wurde bejubelt und mit Zugabe-Wünschen quittiert.

 

daantje & the golden handwerk 

Setlist "nicht viel"

Gut vorgewärmt gibt Nils Koppruch & Der Wald dann das Hauptprogramm. Der Beipackzettel (s.u.) kürzt ab, was in Worten zu langatmig wäre. Man ließ die Sache erstmal gemach angehen, aber bereits beim Song „Caruso“, den Nils als aufklärende Berufsberatung ankündigt, ist richtig Schmiss im Spiel. Der Refrain „Feuerwerk und Rauch“ zündet akustische Pyrotechnik. „Das nächste Lied spielen wir solange, bis sich mindestens drei Pärchen küssen“. Leider fiel „Komm küssen“ dann  recht knapp aus, denn Nils meinte (und der muß es ja wissen): „Die Hamburger sind schnelle Küsser. Wir haben das Lied schon mal eine Viertelstunde gespielt …  in Braunschweig.“

Das nächste Highlight bildet definitiv „Shuffle und Kompott“, es swingt herzerfrischend und wenn Oliver Stangl am Pedal Steel elegant mit den Hülsen schwooft und gemeinsam mit Bassman Lars Paetzelt ins Mikro trällert „… er macht Feuer und bewacht den Topf“ gerät der Most so richtig in Gärung.

Die schwer groovende Live-Version von „Den Teufel tun“ hat mit dem meditativ-bedächtigen Album-Track nicht viel gemein, jedenfalls geht sie in die Beine.  Bei „Talking Darum Blues“ ist froh, wer gerade ein Bier in Reichweite hat, um sich einen tiefen Schluck auf das Leben und den Tod zu genehmigen. Trommler Christoph Kähler treibt die Geschwindigkeit mächtig an, so lauscht man bei „Mit eigenen Augen“ , gespannt, ob Nils beim Singen von Textzeilen wie „mit dir an einem neuen Morgen will ich auf die Sonne warten“ wie eine Schwalbe über´s Wasser jagt oder sich doch eher am Ufer verfängt. Jedenfalls hat die Nummer etwas vom Koffein-Kick eines Instant-Kaffee.

Zwischen den Songs schickt Nils ein paar Grüße ins Publikum für die anwesenden Musiker, die bei der Produktion des CARUSO-Albums geholfen hätten (- er selber habe ja kaum was dran gemacht-) und bedankt sich beim Label Grand Hotel van Cleef für die Neuauflage der unlängst vergriffenen CD „Den Teufel tun“.

Für die Songs  „Knochen und Fleisch“ sowie „Die Aussicht“ wird dann Überrraschungsgast Nr. 2 auf die Bühne gebeten, wobei dieser ja irgendwie doch erwartet wurde: Gisbert zu Knyphausen, der sich mit dem Auftritt quasi auch für Nils Besuch bei seinen jüngsten KNUST-Konzerten bedankt. Das Schöne an Live-Musik sind vor allem die unvorhergesehenen Momente: mitten im Song setzt Nils an zur Strophe „… ich sag dir vorher ist da nichts und danach“, schaut rüber zu Gisbert, lacht … und damit wäre der Text vergessen. Beim zweiten Anlauf in die Strophe klemmt der Text erneut. Den dritten Anlauf übernimmt Gisbert schnell entschlossen und bringt den Song nach Hause, was Nils ihm später mit einer Umarmung dankt.

Die Stimmung ist großartig, in den ersten Reihen wird ausgelassen getanzt, Freude auf und vor der Bühne. Die Band ist in Hochform, scheint Energie in Geschwindigkeit umzusetzen, denn alle folgenden Songs, besonders „Verrückt vor Liebe“  wirken irgendwie beschleunigt. Sogar Material wird an diesem Abend verschlissen: bei einem der letzten Stücke vor der Zugabe reißt eine Saite von Nils Gitarre!

Die Setlist endet, aber nach „Stadt in Angst“ ist natürlich längst nicht Schluß. Vier weitere Zugaben folgen z.B. „Staub und Gold“ in der ausgedehnten Kraut-Rock-Variante. Das Konzert gipfelt beim Song „JaJaJa“ , denn alle Musiker des Abends stehen  noch einmal auf der Bühne. Christoph Kähler verläßt das Schlagzeug um als Trio mit Gisbert und Daanje die swingende, klatschende Rhytmusgruppe zu bilden. Das Publikum steigt klatschend in den Rhythmus ein. Ein  einmaliges Bild, das das Konzert in einem grandiosen Finale abschließt. Zum Abschied spielt Nils solo noch den alten FINK-Klassiker „Kleines Grünes Haus“, ein Stück, das ursprünglich dem abgerissenen Club „Heinz Kramers Tanzcafé“ gewidmet war.

Was 400 Gäste am Samstag im vollen KNUST in Hamburg erlebten war auf jeden Fall tosenden Applaus wert und für künftige Shows mit Nils Koppruch & Der Wald sollte eine Tüte Konfetti mit ins Handgepäck! Weiterhin plädiert die hier Schreibende für eine Fortsetzung der Live-Konzerte, denn der Most ist dick, will sagen: es scheint sich herum zu sprechen (steigende Besucherzahlen!), daß man bei Koppruch-Konzerten eine wunderbare Packung Musik mitnimmt, die irgendwie und nachhaltig glücklich stimmt. Dranbleiben!

Das Auge hört mit! – Fotos © Astrid Mönch-Tabori


„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ …

 … steht auf dem Umschlag der Zeitschrift, die Gisbert zu Knyphausen andächtig studiert. Erinnert ein wenig an müde Cowboys. Da sitzen zwei, die sind „heut schon ewig weit gelaufen“ und vielleicht tun ihnen die Füße auch schon weh, nach acht gemeinsamen Konzerten und tausenden von gefahreren Kilometern auf staubigen Straßen. Bevor sich ihre Wege heute nach dem Konzert im ausverkauften (!) Frankfurter Club „Das Bett“ trennen, gibt´s hier noch einen Fotogruß aus Wien.

Gisbert zu Knyphausen wird die Tour mit dem Support „daantje and the golden handwerk“ fortsetzen, während Nils Koppruch nach ein paar Tagen Verschnaufpause ab dem 15.November seine „CARUSO“-Tour mit Band in Deutschland und der Schweiz fortsetzt.
Seine Begleiter werden dabei „Das trojanische Pferd“ sein.


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