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CARUSO und DEN TEUFEL TUN werden in Vinyl veredelt

Für alle Vinyl-Liebhaber und akustischen Gourmets unter den Nils Koppruch und FINK-Fans fügt das Label Grand Hotel van Cleef  den großartigen Tribute-Veröffentlichungen  des kommenden August (nota bene: ab 22.08.14 bei Trocadero) noch ein Sahnestückchen hinzu.

Am 8.August 2014  erscheinen die Alben CARUSO und DEN TEUFEL TUN erstmalig als Vinyl-LPs. Wer sie jetzt im Shop bei GHvC  vorbestellt, erhält die Lieferung bis zum Veröffentlichungstermin. Die LPs kosten 15€, ein mp3-Download-Code ist inbegriffen.

GHvC

Das Wesentliche dieses Post wäre damit gesagt. –

Dennoch:

Wer die Solo-Wege von Nils Koppruch nach 2007 ein wenig mit verfolgt hat wird nachvollziehen können, welchen holprigen Weg besonders das Album „Den Teufel tun“ nehmen musste, bis es heute, quasi wie aus dem Staub, wieder als Vinyl zu Gold werden durfte. Nachdem die Plattenfirma  V2, die das Album ursprünglich veröffentlicht hatte, im Jahr 2007 verkauft wurde, wanderten Restbestände des Albums und die Urheberrechte an den aufkaufenden Konzern Universal Music. Nils selber witzelte manches Mal, sie hätten die restlichen CDs wohl in den Schredder gesteckt. Es war von dem Zeitpunkt an jedenfalls nicht mehr im Handel erhältlich. Dem gemeinsamen Bemühen von GHvC und Wintrup-Verlang ist es zu verdanken, dass das Album dann im Dezember 2010 wieder als CD veröfffentlicht werden konnte, hier der Bericht dazu in diesem Blog.

In einem besseren Sinn kann man den Teufel nicht tun!

An dieser Stelle ein riesiges Danke an die kleinen und doch so engagierten Hamburger Label Grand Hotel von Cleef und Trocadero, die sich nach Kräften und mit Herzblut dafür einsetzen, Nils Koppruch ein umfangreiches und würdiges Denkmal zu setzen.


Festival-Wochenende Teil 1: Traumzeit Duisburg

Duisburg. Landschaftspark: ein unüberschaubares Areal aus stillgelegten Industriegebäuden in eigenwilliger Ästhetik, ein überdimensionales Museum einer überholten Arbeits-Kultur. Am Eingang empfangen zunächst Bier- und Imbissbuden den Orientierungssuchenden. Nils Koppruch spielt ab 20:00Uhr in der Pumpenhalle. Der Lageplan am Weg kennt nur eine Gießhalle. Also durchfragen. Intuitiv eine Richtung einschlagen. Zwei freundliche Herren von der Securitiy bestätigen über die Schulter deutend, dass in diesem Gebäude gleich ein Konzert stattfände. Ein Blick durch trübe, bleiverglaste Scheiben zeigt eine Bühne. Gut. Darauf ein paar Mikroständer, Banjo und Gitarren. Auch gut. Drei Stühle. Stühle?! Seltsam. Kein Schlagzeug dafür aber ein Mikro, dass auf Augenhöhe eines Dackels montiert sein könnte. Ob der Sicherheitsmann und ich das gleiche Konzert meinten? Aber diese helle Fender-Westerngitarre mit rotbraunem Schlagbrett, die kennt man doch. Neben mir lugt noch jemand prüfend durchs trübe Glas und bestätigt dann in tiefstem, bayerischen Slang, das wir hier richtig sind. Perfekt.

Der Raum vor der Bühne der Halle bildet ein tieferliegendes Carreé, umrahmt von Treppenstufen, auf dem sich die Zuhörer nach dem Einlass verteilten. Zwei Herren in sandfarbenen Anzügen, mit runden Panamahüten nehmen auf den Stufen vor der Bühne Platz und liefern eine kleine Anmoderation. Der Herr Namens Klaus – wohl Koppruch Fan der ersten Stunde – zitiert die Textzeilen: “ Werft mich in einen Fluss und wenn ihr Pech habt hab ich Glück, und komm mit einem Fisch im Maul zurück.“ (Fisch im Maul, von: Loch in der Welt, 1998). Das geht ja schon mal gut los!

Nils und seine Mitstreiter Lars Paetzelt (Bass) und Marcus Schneider (Gitarre), werden als Band auch unter dem Namen „Der Wald“ vorgestellt und lassen es mit „In die Stille“ erst mal gemach angehen. Es fehlt der Schlagzeuger, seinen Part übernimmt Nils mit dem rechten Fuß. Der schwere Stiefel bearbeitet ein selbstgebautes Percussionsbrett, das per Mikro verstärkt wird. Also doch kein Dackel auf der Bühne. Aber dies ist wohl der Grund, warum die Herren heute sitzend aufspielen.“Mit eigenen Augen“ kommt so schwungvoll daher, dass man mit klatschen muss, der fehlende Drummer wird gut kompensiert. Was auch fehlt sind Nils lässige Ponyfransen. Der neue Schnitt sieht aber fesch aus, Nils wirkt irgendwie frischer als zuletzt noch beim Konzert von Hamburg Sounds.
Bei „Armer Junge weint“ schluchzt die Gitarre so hinreißend, dass man sich über die Neubesetzung mit Marcus Schneider außerordentlich freuen darf. Auch in zweistimmigen Gesangsparts liefert er gute Unterstützung. Oliver Stangl, der bislang die Saiteninstrumente bediente, ist seit einer Weile Bestandteil der Band Clickcklickdecker.

Nils bietet zwischen den Songs dem Publikum an, den leeren Raum vor der Bühne zu füllen. Wir könnten uns doch eine Blasenentzündung holen. Doch da alle gute Sicht aufs Geschehen haben und niemand als erster vortreten mag, bleibt es bei dieser Distanzbeziehung. Auf die Stimmung wirkt es aber nicht bremsend, die inzwischen Anwesenden spenden großzügig Beifall und Begeisterung. Die Szene hat etwas von Straßenmusik.
Immer wieder kraftvoll und erfreulicherweise in der Set-List: „Talking Darum Blues“ Trotziger Vorwurf: „Warum gerade so, warum nicht anders …!“ Und dann versöhnlich: „Komm Nachbar setz dich hierher, wir werfen eine Blume ins Meer, wir trinken auf das Leben und den Tod, und einen, Nachbar, nehmen wir zum Trost“ (FINK, Haiku Ambulanz, 2003) Lieblingslied!
Als Song, der für das Berufsinformationszentrum entstand, wird „Die Aussicht“ angekündigt, oder auch als Stück, das ohne Ansage auskommt. Kleine Irritation, nicht nur beim Zurechtlegen der Mundharmonika. Dem Schutzheiligen aller Musiker ist dann das Stück „Caruso“ vom gleichnamigen Album gewidmet.

Das Spannende an Koppruch Konzerten ist, dass alte Songs oft in völlig neuem Gewand erscheinen. So heute das „Loch in der Welt“: „Ich hab das Loch in der Welt gesehn, ich hab reingeschaut, jetzt weiß ich wie sie den Tag andreh´n, und wer die Stunden zerkaut. …“ Leicht irre gesungen, sphärische Klänge auf der Gitarre, eine extended version, die weit entfernt vom Original liegt, aber grandios!
Das nächste Stück habe er aus der Apothekerzeitung abgeschrieben, es beschreibt eine Krankheit, die wir alle kennen. „Verrückt vor Liebe“ swingt, leicht kabarettistisch und augenzwinkernd über die Bühne. Auch ein Stück, das sich weit von der schweren, bläser-lastigen Albumversion entfernt hat.
Nach „Wort im Wasser“, „Den Teufel tun“ und „Komm küssen“ beschließt Nils Koppruch das Programm mit „Stadt in Angst“, das ja auch auf dem jüngsten Album CARUSO den Rausschmeißer (oder besser Türöffner?) macht.

Die auf gut 150 Leute angewachsene Zuschauermenge fordert pfeifend und klatschend nach Zugaben. „Was Staub war und Schmutz wird aus Gold sein…“ mit der fülligen Version von „Staub und Gold“ (Album: Den Teufel tun, 2007) verabschiedet sich das gut gelaunte Trio von der Bühne.
Fazit: Rund um ein gelungenes Konzert, guter Sound, ansprechende location – hat großen Spaß gemacht!

 

Fotos: © Astrid Mönch-Tabori, Verwendung bitte nach Rücksprache

Konfetti und Applaus! Nils Koppruch & Gäste im Knust

Das KNUST war bereits gut besucht, als Nils Koppruch gegen 21:00Uhr die Bühne betrat und seinen Gast, die One-Man-Vorband „Daantje & the golden handwerk“ aka Joachim Zimmermann persönlich vorstellt. Das Hamburger Publikum zollte ihm von den ersten Takten an konzentrierte Aufmerksamkeit. Es brauchte „Nicht viel“ an diesem Abend, um glücklich zu sein. Daantje, ausgerüstet mit einem Post-it als Setliste, etwas Mineralwasser und einer akustischen Gitarre schien beim überraschten Blick über den Brillenrand angesichts der vollen Bude seinen Augen selber kaum zu trauen. „Ihr seid so ruhig!“ stellte er zwischendurch ungläubig fest. Der Standard-Satz, mit dem sich Support-Acts gelegentlich für das unhöfliche Gequassel ihres Publikums entschuldigen, also: „Ich weiß ja, eigentlich wartet ihr ja auf Nils Koppruch“, war leicht überflüssig, denn was der sympathische Stuttgarter trotz Krampf in der linken Hand minimalistisch auf die Bühne brachte wurde bejubelt und mit Zugabe-Wünschen quittiert.

 

daantje & the golden handwerk 

Setlist "nicht viel"

Gut vorgewärmt gibt Nils Koppruch & Der Wald dann das Hauptprogramm. Der Beipackzettel (s.u.) kürzt ab, was in Worten zu langatmig wäre. Man ließ die Sache erstmal gemach angehen, aber bereits beim Song „Caruso“, den Nils als aufklärende Berufsberatung ankündigt, ist richtig Schmiss im Spiel. Der Refrain „Feuerwerk und Rauch“ zündet akustische Pyrotechnik. „Das nächste Lied spielen wir solange, bis sich mindestens drei Pärchen küssen“. Leider fiel „Komm küssen“ dann  recht knapp aus, denn Nils meinte (und der muß es ja wissen): „Die Hamburger sind schnelle Küsser. Wir haben das Lied schon mal eine Viertelstunde gespielt …  in Braunschweig.“

Das nächste Highlight bildet definitiv „Shuffle und Kompott“, es swingt herzerfrischend und wenn Oliver Stangl am Pedal Steel elegant mit den Hülsen schwooft und gemeinsam mit Bassman Lars Paetzelt ins Mikro trällert „… er macht Feuer und bewacht den Topf“ gerät der Most so richtig in Gärung.

Die schwer groovende Live-Version von „Den Teufel tun“ hat mit dem meditativ-bedächtigen Album-Track nicht viel gemein, jedenfalls geht sie in die Beine.  Bei „Talking Darum Blues“ ist froh, wer gerade ein Bier in Reichweite hat, um sich einen tiefen Schluck auf das Leben und den Tod zu genehmigen. Trommler Christoph Kähler treibt die Geschwindigkeit mächtig an, so lauscht man bei „Mit eigenen Augen“ , gespannt, ob Nils beim Singen von Textzeilen wie „mit dir an einem neuen Morgen will ich auf die Sonne warten“ wie eine Schwalbe über´s Wasser jagt oder sich doch eher am Ufer verfängt. Jedenfalls hat die Nummer etwas vom Koffein-Kick eines Instant-Kaffee.

Zwischen den Songs schickt Nils ein paar Grüße ins Publikum für die anwesenden Musiker, die bei der Produktion des CARUSO-Albums geholfen hätten (- er selber habe ja kaum was dran gemacht-) und bedankt sich beim Label Grand Hotel van Cleef für die Neuauflage der unlängst vergriffenen CD „Den Teufel tun“.

Für die Songs  „Knochen und Fleisch“ sowie „Die Aussicht“ wird dann Überrraschungsgast Nr. 2 auf die Bühne gebeten, wobei dieser ja irgendwie doch erwartet wurde: Gisbert zu Knyphausen, der sich mit dem Auftritt quasi auch für Nils Besuch bei seinen jüngsten KNUST-Konzerten bedankt. Das Schöne an Live-Musik sind vor allem die unvorhergesehenen Momente: mitten im Song setzt Nils an zur Strophe „… ich sag dir vorher ist da nichts und danach“, schaut rüber zu Gisbert, lacht … und damit wäre der Text vergessen. Beim zweiten Anlauf in die Strophe klemmt der Text erneut. Den dritten Anlauf übernimmt Gisbert schnell entschlossen und bringt den Song nach Hause, was Nils ihm später mit einer Umarmung dankt.

Die Stimmung ist großartig, in den ersten Reihen wird ausgelassen getanzt, Freude auf und vor der Bühne. Die Band ist in Hochform, scheint Energie in Geschwindigkeit umzusetzen, denn alle folgenden Songs, besonders „Verrückt vor Liebe“  wirken irgendwie beschleunigt. Sogar Material wird an diesem Abend verschlissen: bei einem der letzten Stücke vor der Zugabe reißt eine Saite von Nils Gitarre!

Die Setlist endet, aber nach „Stadt in Angst“ ist natürlich längst nicht Schluß. Vier weitere Zugaben folgen z.B. „Staub und Gold“ in der ausgedehnten Kraut-Rock-Variante. Das Konzert gipfelt beim Song „JaJaJa“ , denn alle Musiker des Abends stehen  noch einmal auf der Bühne. Christoph Kähler verläßt das Schlagzeug um als Trio mit Gisbert und Daanje die swingende, klatschende Rhytmusgruppe zu bilden. Das Publikum steigt klatschend in den Rhythmus ein. Ein  einmaliges Bild, das das Konzert in einem grandiosen Finale abschließt. Zum Abschied spielt Nils solo noch den alten FINK-Klassiker „Kleines Grünes Haus“, ein Stück, das ursprünglich dem abgerissenen Club „Heinz Kramers Tanzcafé“ gewidmet war.

Was 400 Gäste am Samstag im vollen KNUST in Hamburg erlebten war auf jeden Fall tosenden Applaus wert und für künftige Shows mit Nils Koppruch & Der Wald sollte eine Tüte Konfetti mit ins Handgepäck! Weiterhin plädiert die hier Schreibende für eine Fortsetzung der Live-Konzerte, denn der Most ist dick, will sagen: es scheint sich herum zu sprechen (steigende Besucherzahlen!), daß man bei Koppruch-Konzerten eine wunderbare Packung Musik mitnimmt, die irgendwie und nachhaltig glücklich stimmt. Dranbleiben!

Das Auge hört mit! – Fotos © Astrid Mönch-Tabori


Frankfurt feiert die Knyphausen & Koppruch Allstars

Genau einen Tag vor dem Konzert mit Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch im Frankfurter Club „Das Bett“ wurde der Vorverkauf eingestellt. Der Club, der 450 Personen faßt, war ausverkauft. Seit Neueröffnung des „Bett“ im Gallusviertel haben das nur wenige Musiker geschafft. Bereits eineinhalb Stunden vor dem offiziellen Konzertbeginn harrten die ersten Zuschauer in Hoffnung auf die besten Plätze vor verschlossenen Türen im Regen aus. Als das Konzert ziemlich pünktlich gegen 21:00Uhr begann, war die Halle dicht gefüllt.

Die allgemeine Unsitte, den Support als Untermalung der eigenen Konversation mit Mißachtung zu strafen, fiel diesmal komplett aus. Als Nils Koppruch die Bühne betrat und mit wenigen Worten sich und den ersten Titel „Vergessen, was ich wußte“ vorstellte, verstummten die Gespräche, die Aufmerksamkeit der Zuschauer war greifbar.
Nils begann den Abend mit „In die Stille“, einer Soloversion von „Kirschen“ , „Armer Junge weint …“ und „Den Teufel tun“. Koppruch, der gemeinhin auch nicht als extrovertierter Entertainer gilt, kommentiert: „Das nächste Stück ist ein Lied mit Gebrauchswert. Das hat in Frankfurt auch schon mal funktioniert. Es heißt: „Komm küssen“. Während des Songs läuft Nils die Bühne ab, bleibt hier und da stehen, spielt ins Publikum und erklärt während des Songs: „Man muß sich seine Verbündeten suchen, wo man sie findet“. Verbündete hatte es an diesem Abend zu Hauf.
Es folgt „Hund“ ein frühes Stücke von FINK. Nach „Mit eigenen Augen“ bekommt Nils Unterstützung von Gunnar Ennen am Keyboard, an der Gitarre Jens Fricke und Utz Wellmann am Schlagzeug. Zu Feier des letzten gemeinsamen Abends spielten sie die Première und eine wunderbare Version von „Billiger Trick“, das ursprünglich 1999 auf dem FINK-Album Mondscheiner erschien.

Mit „Stadt in Angst“ schloß Nils das Vorprogramm ab: „Komm Baby, sag mir, daß du deine Tür aufmachst, der Teufel jagt mir mit der Gabel nach…“ Die Frankfurter hatten ihm definitiv die Tür aufgemacht.

Nach kurzer Umbau-, Bier- und Pinkelpause legten die Knyphausener los. Und es ging ohne Umschweife richtig zur Sache mit „Herzlichen Glückwunsch“, „Freund von Clischées“, „Erwischt“, „Hurra Hurra so nicht““, „Morsches Holz“. Das Anmoderieren von Songs ist nicht Gisberts Stärke, Fans kennen das. Allenfalls lächelt er scheu in die Menge und sagt etwas wie: „ihr seid sehr nett!“ Und postwendend antwortet immer jemand aus dem Dunkel: „Du auch!“ Ja so ist das. Und dann heißt es meist: „Wir machen dann einfach mal weiter mit dem nächsten Stück„. Als da wäre „Gute Nachrichten“ und „So seltsam durch die Nacht“. Das Stück „Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten“ spielt Gisbert solo. Überhaupt ist das Programm eine gute Mischung aus Dynamik und ruhigeren Stücken, in denen man Stecknadeln fallen hören könnte. „Verschwende deine Zeit“ ,“Hey“, „Flugangst“, „Grau grau grau“, „Kräne“, Sommertag. Der Song „Neues Jahr“ bekommt an diesem Abend eine sehr schöne Krautrockversion verpaßt, was konkret bedeutet, Gisbert nimmt mit der Gitarre Platz und eine extended version baut sich auf. Das Hauptprogramm beschließt „Gespenster“.

Nach kurzer Pause unter tosendem Applaus beginnt der ausgedehnte Zugabenteil des Abends, der noch einige Sahnestückchen bereithält: Zunächst spielt Gisbert den „Cowboy“ mit Gunnar Ennen am Pedal Steel. Dann widmet er „Der Blick in deine Augen“ als Liebeslied an alle Anwesenden und verweist auf die zum Lied passende Farbe (rosa!) seines neuen Gitarrengurts.
Der eigentliche Höhepunkt des Abends folgt, mit der Koppruch-Knyphausen-Allstars-Band : „Die Aussicht“, „Knochen und Fleisch“ werden mit Nils Koppruch als Frontmann gespielt, was neben dem Hörgenuß ein wunderbarer Anblick ist. Für Gisbert mögen ausverkaufte Hallen inzwischen selbstverständlich sein, Nils Koppruch merkt man die Freunde über die Publikumsfülle an.

Eine weitere Zugabe wird lautstark eingefordert mit polternden Schlägen auf die Bühne, es klirren sogar splitternde Flaschen. Gisbert besänftigt die Forderung mit dem solo gespielten Stück „Dreh dich nicht um“. Nach „Seltsames Licht“ verabschiedet sich die Band dann entgültig von der Frankfurter Bühne.

Was für ein euphorischer Abend! Und wer die Muße hatte noch ein Weilchen zu bleiben, bekam am Merch-Stand vom bestens gelaunten Nils Koppruch noch ein CARUSO-Poster mit Autogramm geschenkt.


Im Wald gibt´s eine Lichtung, wo´ne Bühne für dich steht …

 

… so atmosphärisch könnte man die Location am Drususstein in der Mainzer Zitadelle beschreiben. Eine Oase im Grünen, sonnenbeschienen bis zur letzten Minute … vor dem Auftritt von Nils Koppruch und seiner Band beim 36.Open Ohr Festival. Dann gab es nicht „Irgendwann Regen“ sondern gleich und heftig! Stimmungskiller? Mitnichten! Ausgelassenes Barfußtanzen, Woodstock-Feeling und Schlammpogo verwandelte den Rasen ohne Grund in diesen schwarzen Teich und manche Textzeile spontan in neue Interpretation mit sumpfigen Tiefgang. Die unbändige und viel fotografierte Begeisterung an der Schlammspringerei wird der Band als auch dem Publikum in historischer Erinnerung kleben bleiben.

Auf der Bühne feierten Nils Koppruch und seine neue und doch altbewährten, sehr harmonisch wirkende  Band ein Comeback in vierköpfiger Besetzung. An Gitarren, Banjo, Pedal Steel Oliver Stangl, am Bass Lars Paetzelt und am Schlagwerk Christoph Kähler. Der durchweg fettere Bandsound gab den Songs des Solo-Albums „Den Teufel tun“ einen neuen Klang und ließ Fanherzen auch außerhalb der Schlammpampe höher schlagen.

Das Repertoire umfaßte ältere FINK-Stücke als da wären: eine großartige Version von „Talking Darum Blues“ als Opener, „Shuffle und Kompott“, „Das Liebste“ oder die Zugaben „Er Sieht sie an …“  und „Irgendwann Regen“. Stark vertreten war auch Nils Solo-Album mit den Stücken „Nicht die Bienen“,  „Komm küssen“, „Mein einzige Lied“, zwei vollkommen neu interpretierte Versionen von „Staub und Gold“ sowie „Den Teufel tun“. Hat man in den vergangenen Jahren diese Stücke live fast nur in One-Man-Band-Version hören können, wurde das musikalische Band-Spektrum gut ausgenutzt  und viele Stücke klangen vertraut und doch frisch und neu arrangiert. Wobei die Freude an der Variation eines Songs an sich schon zu den Qualitäten von Koppruch-Konzerten gehört und jeden (wiederholten) Konzertbesuch lohnenswert machen.  (Anm. der Autorin: dafür liebe ich Koppruch-Konzerte).

Etwa sieben der gespielten Stücke stammten vom neuen Werk alias „Caruso“. Ein Stück, „Hamburger Berg“ das einer Straße in Hamburg gewidmet ist, wurde explizit angekündigt, weiterhin waren zu hören: „Vergessen was ich wußte“, „Wissen mußt du es doch“, „Armer Junge weint, armes Mädchen auch“, „Die Ausssicht“, „Stadt in Angst“, „Kirschen (wenn der Sommer kommt)“. Auch „Wort im Wasser“, das Original zum englischen Titelsong des Films „Madboy“ wird auf „Caruso“ erscheinen. Der Themenkanon Sein, Sinn und Suche wird wohl den Schwerpunkt bilden und ein sehr starker Song „Vergessen was ich wußte“ hat sich als hitverdächtig bereits in Wort und Meldodie in offenen Ohren eingenistet.

Im Grunde hatten alle Beteiligten (außer vielleicht das Technik-Team aufgrund der Nässe?) an diesem Konzert ihre Freude. Treue Fans konnten ausgemacht werden, die versonnen im äußeren Bannkreis des Feuchtbiotops standen  und sogar kurze Streichölzer schwenkten. Denn: „ein Feuer krieg man immer damit an“ …  Ausgelassene Festivalisten performten ihre Daseinsfreude mit ausgiebiger Schlammschlacht, neugierige Zuhörer erfreuten sich an musikalischen Neuerungen und die Band selber wird wohl hoffentlich öfter besseres Wetter, aber selten ein so gutes Open Air Publikum antreffen.

Die Kamera hat ihre Regentaufe überstanden – hier die Fotos:


Nils Koppruch – Dachgartenkonzert unter guten Sternen

Dachgarten Ü&G: Nils Koppruch

 

Einen wunderbaren Abend unter klarem Sternenhimmel über der Silhouette von Hamburg erlebten etwa 150 Zuschauer: das Dachgartenkonzert am 15.08.2009 mit Nils Koppruch und Veranda Music.

Der Dachgarten des Übel & Gefährlich in knapp 40m Höhe öffnete seine Pforten, als  die Sonne sich bereits zur Ruhe setzte, sie hatte ja auch einen fleißigen Tag hinter sich. Ein frischer Wind vom Hafen, der Blick über die Lichter der Stadt und den Rummel, eine großartige Kulisse für admine als Hamburg-Neuling! weiterlesen


Intro-Video-Interview mit Nils Koppruch

Vielen Dank an Peter Flore und Team vom Intro-Magazin! Das ist ja ein nettes Osterei.
Ein beim Relaunch verloren gegangenes Video-Interview vom April 2007 ist jetzt nach Reparaturarbeiten wieder online.
Nils erklärt im Interview ausführlich Hintergründe zu allen Songs auf „Den Teufel tun“.

Reinschauen!

Intro-Interview mit Nils Koppruch

Intro-Interview mit Nils Koppruch


„Wohnzimmerkonzert“ mit Nils Koppruch im Druckluft Oberhausen

Es haben eigentlich nur noch die Couchsessel gefehlt, um die Wohnzimmeratmosphäre perfekt zu machen. Das Konzert im Druckluft war, was den Part von Nils Koppruch betrifft, ein kleines – aber ganz feines.

Die Vorband Alex Amsterdam spielte – entgegen meiner Vermutung – als Duo mit Simon Horn (Keyboard, Gesang) und Alexander Rosin (Gitarre, Gesang). Nachdem bis 21:30Uhr kein massiver Besucheransturm zu erwarten stand, legten sie los. Die beiden boten ihr Programm mit ungebrochenem Optimismus dar. Ihre Bemühungen Stimmung aufkommen zu lassen wurden mit angemessenem Applaus belohnt.

Als Nils anstimmte siedelten auch Gäste, die zuvor im Hof geblieben waren mit Stuhl und Getränk in den Raum um, es füllte sich und der allgemeine Aufmerksamkeitspegel stieg. Manche Gäste schienen persönlich bekannt und wurden von Nils namentlich begrüßt.
Der erste Teil der Lieder stammte weitestgehend vom Album „Den Teufel tun“: Nicht die Bienen (ursprünglich geschrieben für eine Jubiläums-Compilation der „Bear Family Records“) – Mein einziges Lied In die Stille Mit eigenen Augen – Komm Küssen – Oh du lieber Augustin (der ist natürlich nicht auf dem Album!) – Den Teufel Tun (in einer anderen Version mit verzerrten Klängen, hat was).

Natürlich durften Songs aus FINK-Zeiten nicht fehlen: Das Liebste – Immerhinda – Kleines grünes Haus – Vielleicht (sehr schön, hatte ich noch nie live gehört!) – So wie im Film (dTt) – Dies für Dich – Staub und Gold  (dTt) – Loch in der Welt (mein persönliches Highlight, super!) – Wort im Wasser (zu hören auf der HP unter Outtakes & Bootlegs)

Besonders erwähnenswert: ein noch  unbekanntes Stück, das Ständchen für Brecht „Einen Hut kaufen„. Zur Entstehung unten mehr.

Zwischen die Lieder streute Nils kleine Vorträge aus seinem Buch Dilettant, eine Bild- und Textsammlung mit vielen Auszügen aus seinem Arbeiten als Maler. Fiktive Briefe hieraus „An den Freund“, „An den Vater“, „An die Mutter“ sorgten für Lacher.

 

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Als Nils sich nach einer guten Stunde verabschieden wollte, forderten die Anwesenden nachhaltig Zugaben: Er sieht sie an – Ich kümmre mich darum (ihr wißt schon: Nasenhaarschere – aus Silber, Ast – mit Gabel, hellgoländer Krabbensalat  – in Rot, und Weiß …) – Noch nichts ist verlorn. Und wenn man schon so nett gebeten wird: „Komm, mach doch noch so ein, zwei …!“ dann geht auch noch was: Jajaja und zuletzt Hund.

 Zwei Videos hab ich von diesem Abend mitgebracht – der erste Song „Einen Hut kaufen“ entstand anläßlich des Festivals B-Sides, einer mehrtägigen Veranstaltung in Augsburg zum 111.Geburtstag Berthold Brechts. Nils war neben andern namenhaften, deutschen Musikern am 19.02.09 dort eingeladen. Auflage für alle Beteilgten war die Hausaufgabe, ein Ständchen für Brecht zu schreiben. Dieses Lied ist also recht frisch, gibt es auf keinem Tonträger und wurde bislang nur wenige Male live gespielt:

Das zweite Stück „Immerhinda“ erschien auf dem Album FINK (2001):

Alles in allem ein sehr netter Abend mit einem gut gelaunten Nils Koppruch, der locker und sehr sortiert durch das Programm navigiert. Was mir immer wieder besonders gut gefällt ist, daß viele Lieder bei Live-Konzerten einen neuen Schliff bekommen und Nils Details variiert. Das macht es spannend und lohnenswert, auch in oft gehörten Stücken neue Facetten zu entdecken.

DANKE für den wunderschönen Abend!


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