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Eins und eins macht 5 – Resumée zur Kid Kopphausen Honeymoon-Tour

Die Flitterwoche einer vielversprechenden Musiker-Ehe auf Zeit, die erste Tour zum Release des Albums „I“ liegt hinter Kid Kopphausen (11.-17. September).  Die zahlreichen Anspielungen zur affärenhaften Beziehung zwischen Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch kann man nun belustigt oder belästigt aufnehmen. Immerhin wurden sogar beide Nachnamen miteinander verknüpft. Jedenfalls ist dies doch ein amüsantes Bild für die Liaison, über das selbst die beiden Protagonisten in den Pressevideos witzeln.

Aber jenseits aller Albernheiten: Was macht eine gute Beziehung eigentlich aus? Jeder Partner ist für sich zwar eine eigenständige Persönlichkeit, kann unabhängig sein und arbeiten, hat sein eigenes Aktionsfeld. Dennoch entscheidet man sich, zusammen zu sein, weil sich neue Perspektiven oder Horizonte erschließen.  Man sich öffnet für neue Ideen und wagt, Dinge anders  anzugehen als gewohnt. Die Qualität der Begegnung ist von der Dauer unabhängig. So lange es gut ist geht man ein Stück gemeinsam ohne sich die Schlinge fester Versprechen um den Hals zu ziehen. Und das Bewusstsein „dies ist unsere Zeit“ und eben nur auf unbestimmte Zeit macht es kostbar. („Der Vogel singt nur bis du nach ihm greifst.“ – Nils Koppruch, Die Aussicht)

Neu ist diese Form der musikalischen Zusammenarbeit auf Zeit sicher  nicht. Deutlich wird jedoch, dass sich hier zwei eigenständige, reife aber recht unterschiedliche Musiker perfekt ergänzen und nach außen eine sehr sympathische Harmonie ausstrahlen. Dass die daraus geborene Band Kid Kopphausen eine fantastische Zeit hat, konnte man in den letzen Tagen in den Metropolen der Nation erfreut sehen – mehr noch: hören.

Der Gewinn aus der Verbindung schlägt sich zunächst in der stilistischen Vielfalt des Albums nieder. Es wird experimentiert mit Fülle und Stille, mit verschiedenen musikalischen Einflüssen und menschlichen Rollen. Dennoch wirkt es homogen  und nicht allzu weit entfernt von den prägenden Einflüssen ihrer Urheber. Diese Vielfalt ist sicher auch dem Einbeziehen weiterer brillanter Musiker (Alexander Jezdinsky, Markus Schneider und Felix Weigt) in den kreativen Prozess zu verdanken.

Der quirlige Opener: „Hier bin ich“ rempelt kräftig an und zieht uns sofort druckvoll ins Album oder läßt uns live unmittelbar mitnicken. Der Ausbau von Strophe zu Refrain mit zunehmender Vielschichtigkeit ist spannend, spiegelt er doch  sehr gut wieder, dass ein Mensch,  je näher man ihn kennenlernt,  umso komplexer erscheint.

Lieder wie „Im Westen nichts neues“ oder „In die Wand einen Nagel“ sind musikalische Bilderbücher für Erwachsene, zu denen man sich die Geschichte selber erzählen muss. Kid flößt dem Hörer aber auch melodiöse Drogen ein und nimmt ihn mit auf einen sanft-wabernden Rausch durch eine psychedelische Clubnacht („Haus voller Lerchen“).  Den Psychothriller „Wenn der Wind übers Dach geht“ dominieren Bluesharmonien, die ein akzentuiert-rhythmisches Piano setzt und verzerrte, ausgedehnte Gitarrensoli, wie man sie in der Spielfreude bislang weder bei Gisbert, erst recht nicht bei Nils hören konnte.  Kid schmachtet in verliebter Erinnerung, stolpert als reumütiger Mörder durch  dumpf-düstere Wälder aus denen ein Cello die bedrohliche Schwärze aufsteigen lässt („Möderballade“). Er tänzelt in komplizierten Achtel-Sechzehntel-Rhythmus nicht nur „Jeden Montag“ suchend durch die Stadt, sondern verliert seinen Kopf auch gerne zum bedächtig schreitenden ¾-Takt in den Wolken („Wenn ich dich gefunden hab“). So richtig krachen lässt er es dann, wenn der Rock´n Roll ihm im „Das Leichteste der Welt“ das Leben retten darf.

 „Meine Schwester“ wird in Square-Dance-ähnlichem Schwung mitsamt Gott zum Teufel geschickt. Und Moses muss im Arbeits-Shanty angefeuert von Hauptstimme und Hintergrundchor ganz kräftig in die Riemen greifen und stompen, um gegen das Ersaufen anzurudern. Ein fünfstimmiger á capella Chor, unterlegt mit sparsamer Hauptstimme, schafft es minutenlang einen Bogen über die lethargische Stille zu spannen, bis die Ungeduld sich wütend krachend in einer Rock´n Roll Nummer Luft macht, die so auch aus der Feder von Rio Reiser stammen könnte („Schon so lang“).

Beide Protagonisten wagen es, mitten im Liveprogramm ausgewählte Solo-Stücke zu spielen,  ihre Identität als Kid Kopphausen damit minutenlang abzulegen, wobei sie sich gegenseitig als 1. und 2. Gastsänger vorstellen. Insbesondere in der Kulturkirche Köln, aber auch im altehrwürdigen St.Pauli Theater überzeugen und berühren diese Soli mit glasklarem Klang und Brillanz. Bei jedem Auftritt bleibt „Nur ein Satz“ wie auf dem Album der Abspann eines abenteuerlichen Films. War es vielleicht auch nur ein Satz zwischen Nils und Gisbert, der Kid Kopphausen nach sich zog?

Was auf der Album-Konserve wie gute, handgemachte, ehrliche Musik mit Reminiszenz an klassische Vorbilder klingt, gewinnt live eine gehörige Prise Überzeugungskraft hinzu. Es geht der Band nicht um Entertainment des Publikums, sondern um glaubwürdige Präsentation. Von Gisbert kennt man die selbstvergessen Art, mit geschlossenen Augen hinter dem Mikro in seine Songs abzutauchen. Die ernste Miene des Herrn Koppruch macht, dass man ihm den getrieben-paranoiden Typ ohne weiteres glaubt. Im „Zieh dein Hemd aus Moses“ drischt Marcus Schneider auf die Percussion ein, als wolle er sie zu Brennholz verarbeiten. „Erwischt“ wird zu einer swingenden Nummer, bei der sich Gisbert das Mikrokabel lässig wie eine Federboa über die Schulter wirft. Selten hat man von Nils mit so viel Timbre in der Stimme und dennoch ohne Kitsch das Lied „Kirschen“ gehört, dass man ihre Süße förmlich auf der Zunge schmeckt.

Das Kid rockt und wiegt, grübelt und liebt. Es philosophiert und tröstet, flucht und versäumt, sehnt und träumt. Und man spürt der Reaktion des Publikums an, dass es sich in diese menschlichen Eskapaden gebannt hineinziehen läßt. Songs verklingen bis zum letzten Ton, irgendwo wispert jemand „oh wie schön.“ Wer sitzt springt spätestens nach dem Hauptset des Konzerts auf und spendet standing ovations. Begeisterte Pfiffe und Johlen schlagen in Wellen zu den Akteuren auf die Bühne, bis sich auch die ernsten Mienen zu verlegenem Grinsen oder breiten Lächeln strecken.

Auch optisch ist diese Band ein Geschenk und mit den adretten Anzügen garnicht mal schlecht verpackt. Während Gisbert mit seinem längerem Haar (Ob ihm Koteletten auch stehen würden?) und dem Tweed-Anzug mit leichter Schlaghose über Boots noch an die guten 70er und die beste Zeit der Beatles erinnern könnte, verströmt Nils Koppruch mit seiner ernst bis finsteren Miene und dem dunklen Anzug einen Hauch von Man-In-Black-Aura. Vielleicht nicht ganz zufällig, zählt Johnny Cash doch zu den ihn prägenden Musikern.

„… jemand singt ein nagelneues Lied. Als wenn´s die ersten schönen Tage wär´n und alles um uns glänzt und schient und blüht.“ So singt Nils im Song „Schritt für Schritt“. Klingt doch ein wenig wie frisch verliebt. Gratulieren wir Kid Kopphausen zur gelungenen Kooperation und wünschen, dass dieser Glanz anhält, im Hier und Jetzt, und vielleicht eine Weile länger.

Möge diese Verbindung noch viele schöne Blüten treiben.

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Kid Kopphausen in der Kulturkirche Köln – 13.09.

Superlativ. Umwerfend. Wenn die Worte fehlen müssen erst mal die Bilder sprechen. Hier eine erste Auswahl von Kid Kopphausen in der Kulturkirche. Vielleicht kommen die Worte ja nach dem 2. Konzert heute abend in der Kulturkirche wieder. Halleluja!

© Nils Koppruch Support, Verwendung nach Rücksprache

Kid Kopphausen – Albumteaser in Bild und Ton

Große Freude & Augenweide – wir können den Kopphausenern schon mal über die Schulter schauen. Das klingt wunderbar …


Kid Kopphausen live ab September

So sieht sie aus, die Tourankündigung für Kid Kopphausen „I“ (Bild zur Großansicht anklicken). Klassisch retro, man fühlt sich fast an Musikmagazine aus den 70ern erinnert oder den Vorspann eines James Bond Klassikers. Auch für die Promo-Fotos haben sich die Herren in Schale geschmissen und das Lieblings-Karo-Hemd, die schlabbrige Baggie-Pants oder alten Chucks gegen Anzug und Lederschuhe getauscht. Feiner Anblick. Das Quintett wird neben Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen besetzt sein mit Marcus Schneider (Gitarre), Felix Weigt (Cello, Bass, Tasten) und Alex Jezdinsky (Schlagzeug).

Wer die Termine im September nicht wahrnehmen kann sei getröstet, Ende Oktober bis November 2012 werden weitere Konzerte hinzu kommen, unter anderem ein Auftritt beim diesjährigen Rolling Stone Weekender! Wer allerdings eines der Konzerte in den Metropolen sehen will, sollte sich schleunigst Karten sichern.

Soviel zum I. – Fortsetzung folgt?  (Ob man nach I auch II angedacht hat? Diese Frage werden viele neugierige Interviewer sicher demnächst stellen. Gefälligst.)

Übrigens: Seit kurzem gibt es auf facebook auch eine Kid Kopphausen-Seite, die uns auf dem Laufenden hält.


Kid Kopphausen I

 

 © Foto Dennis Williamson

Die phänomenale Kooperationsfreude des Songwriters Gisbert zu Knyphausen, den der Erfolg zwischen 2009 und 2012 schwindelerregend durch die Decke katapultierte, ist in der deutschen Songwriterszene sicher eine erfreuliche Besonderheit. So nahm er mit Nils Koppruch lange vor der Mitwirkung an „Die Aussicht“ (Caruso) den Benefizsong „Knochen & Fleisch“ für ein Hamburger Obdachlosenmagazin auf, mit Lichter wurde getourt und wurden gegenseitig Songs („Leerer Raum“, „Spieglein Spieglein“) gecovert, von Daantje & the golden handwerk lieh Gisbert sich zunächst „Wer Du bist“, im Gegenzug konnte Daantje mit der kompletten Band sein Album „ach“ produzieren. Mit Schöftland aus Bern entstand „Hier in der Kleinstadt“, mit Clickcklickdecker alias Kevin Haman gab es die Split-Single „Frau Himmelblau bittet zum Tanz“ & „Die Aufgabe davor und die Abgabe danach“, mit Herrenmagazin nahm man gemeinsam „Alle sind so“ auf. Und die Liste ließe sich wohl noch erweitern …

Hinter all diesen Gemeinschaftsprojekten steht sicher mehr als die Bereitschaft, andere Musiker generös mit ins Erfolgs-Boot zu nehmen, das gerade so gut über die Wellen des Musikbusiness schippert. Gisbert lädt seine Hörer gerne ein, über den Tellerrand zu hören, auch wenn´s nicht seiner eigener ist. Und er scheint sehr offen zu sein für unterschiedliche, musikalische Impulse, Ideen und Herangehensweisen. Kompatibel, neugierig und experimentierfreudig von Hip-Hop über Elektro-Pop, von LoFi bis Punk, und dabei dennoch unverkennbar stiltreu und authentisch.

Während dieser Blogbeitrag entsteht haben Herr KOPPruch und Herr zu KnypHAUSEN mit einer Handvoll ausgewählter Musiker die Phase der intensiven Proben für das gemeinsame Album abgeschlossen, um erfolgreich zu konservieren und zu veredeln, worauf die mehr als neugierige Hörerschaft beider Künstler seit Monaten wartet. Das gemeinsame Werk wird beim Label  Trocadero erscheinen und soll, laut Information des Rolling Stone schlicht „I“ lauten. „Kid Kopphausen“ sei zunächst der griffige Werktitel, den man aber noch erweitern wolle, verriet Nils im Januar bei einem Video-Interview für Knust TV. Gisbert gab in einem Interview für den Musikblog „Lieblingstape“ im Februar preis, dass der Name „Kid Kopphausen und die Steinfeldvariation“ lauten könnte. Aha.

Nun denn, das Kind braucht einen Namen und wie auch immer das „Ki(n)d“ getauft wird, soll der Name wohl schon zeigen: es ist weder Nils drittes Solo-Album ohne FINK mit Kooperation von Gisbert, noch Gisberts drittes Bandalbum. Es ist die Umsetzung eines beiderseits lange gehegten, aber wegen Zeitmangel aufgeschobenen Plans, etwas Gemeinsames zu produzieren. Wir dürfen uns auf ein komplett eigenständiges Projekt mit einer eigenen Bandformation freuen. Welche Musiker dabei im einzelnen mitwirken wurde bislang nicht verraten. Immerhin rückt das Release-Datum Mitte August in Countdown-fähige Dimensionen und ein paar Daten des ersten Tourabschnitts in den wichtigsten Metropolen der Nation stehen auch bereits fest.

Als kleine Kostprobe der neuen Songs: „Zieh dein Hemd aus Moses“ – unplugged

[youtube.com/watch?v=-E9VuiDqWRU]


Der Vogel singt nur …

 

© Kerstin Schomburg

Interviews verlaufen manchmal nach dem Motto: „Der Vogel singt nur bis du nach ihm greifst.“ Also steckt man Fragen besser wie kleine Zweige in einen Baum und wartet, bis der Vogel sich drauf niederläßt. So in etwa sind die folgenden Antworten auf neugierige, nicht allzu private, sachbezogene Fragen an Nils Koppruch entstanden. Lauscht:

  • Rückblick – Ausblick: Wie war die bisherige Resonanz auf „Caruso“ und auf den Konzerten? Was wünscht du dir musikalisch für 2011/12?

Soweit ich das verfolgen konnte, ist Caruso weitgehend wohlwollend aufgenommen worden. Das Album hat gute Kritiken bekommen, die Plattenfirma sagt, sie ist zufrieden mit den Verkäufen.

Die Konzerte mit der Band, die sich jetzt „DER WALD“ nennt, waren allesamt  besonders schöne Abende. Es waren möglicherweise zwei, drei der besten Konzerte  die ich / wir  in den letzten 10 Jahren gespielt haben.

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, wir würden ein paar mehr Menschen für die Konzerte interessieren können. Das würde einiges erleichtern und auch ausgedehntere Touren möglich machen.

Zur  Zeit arbeite ich an neuen Songs, sowohl für Nils Koppruch & DER WALD, aber auch für ein gemeinsames Projekt mit Gisbert zu Knyphausen. Gisbert und ich werden im nächsten Jahr ein gemeinsames Album veröffentlichen.

Außerdem bereite ich gerade eine Ausstellung mit dem Titel „SEEMANNSHEIM 2“ vor.

  • Aus den schlichten Arrangements von „Den Teufel tun“ sind teilweise überraschend füllige, teils rockige Live-Versionen geworden. Wer war der wesentliche Motor, die Stücke heute so zu arrangieren? Entwickelt sich das aus der Zusammenarbeit mit anderen Musikern oder wolltest in erster Linie Du die Stücke so verändern?

Ich betrachte meine Songs als etwas, das sich verändern darf und sollte. Es würde für mich keinen Sinn machen einen Song  „nach zu stellen“. Die Songs sollten sich mit der Band, dem Sänger, der Zeit etc. verändern dürfen. Natürlich spielt dabei die Zusammenarbeit mit anderen Musikern eine wichtige Rolle.

Unter Berücksichtigung der Musiker mit denen ich spiele geht die Initiative allerdings überwiegend von mir aus. Ich bin einfach interessiert daran wie  weit ich die Songs strapazieren kann und wie sie sich durch eine andere Tonart, ein neues Arrangement, eine andere Besetzung verändern und wie sie sich dadurch auch in ihrer Bedeutung / Aussage verändern.

  • Welche wesentlichen Eigenschaften muss jemand mitbringen, damit deine Zusammenarbeit mit ihm gut funktioniert? (nicht nur musikalisch gesehen)

Oha, da habe ich keinen Kanon oder Katalog.  Es funktioniert oder es funktioniert nicht.  Und ich habe mich da schon oft getäuscht.

  • Touren ist sicher oft wie Wanderzirkus-Dasein. Bist du nach all den Jahren noch gerne unterwegs, neugierig auf Städte und Leute?

Ja, bin ich. Es ist immer eine sehr intensive und auf die Musik fokussierte Zeit. Und selbst wenn ich von einzelnen Städten, Orten und Menschen manchmal nicht viel mitbekomme, ist allein die Bewegung, der Rhythmus des Reisens und die manchmal extremen Veränderungen von Tag zu Tag, Abend zu Abend inspirierend und spannend.

  •  Wie kam es zur Neubesetzung der Gitarre mit Marcus Schneider?

Ich hatte mit mehreren Gitarristen gesprochen und geprobt, schließlich fiel die Wahl auf Marcus weil es sich am  besten und sichersten anfühlte. Natürlich war die Einschätzung von „DER WALD“ aber ebenso wichtig.

Marcus ist ein sehr, sehr guter Musiker, der durch seine Arbeit  in anderen Bands und durch seine Erfahrungen als Produzent, Tonmischer etc. einen weiten Horizont als Musikschaffender mitbringt. Auch stilistisch hat Marcus viele Möglichkeiten ohne dabei dem klassischen Klischee des „Muckers“ zu entsprechen.

  • Du sagst, du bist auf der Suche nach dem ultimativen Lied, das die Welt erklärt. Mit welchem Song bist du dem Ziel bislang am nächsten gekommen? Gibt es für dich einen Musiker, der so etwas schon mal geschafft hat?

Ich betrachte das mehr als eine Idee, als eine tatsächliche Möglichkeit. Meine grundsätzliche Motivation beim Schreiben ist allerdings schon, eine möglichst universelle Aussage zu machen. Eine möglichst zeitlose Wahrheit  in den Dingen die mich beschäftigen zu finden und diese möglichst gut in Text und Musik zu formulieren. Anders gesagt: Ich versuche die unverständliche Welt um mich in Worte zu fassen.

  • Was macht Musik aus, die dir persönlich gefällt, die dich anspricht/erreicht?

 Sie muss irgendeinen Haken haben, an den ich anbeiße. Und ich muss sie entdecken können.

  • Stichwort „Paul McCartney-Methode“: Entstehen deine Songs/Ideen als Spontangeburten in wenigen Stunden oder gehst du mit einer Idee lange „schwanger“? Was überwiegt?

Eher weniger Spontangeburten. Kommt vor, ist aber selten. Meistens doch erst der natürliche Weg mit Schwangerschaft, Geburt, Erziehung, Lehre, Studium und dann, wenn’s gut geht Veröffentlichung.

  • Vögel spielen in deinen Lieder oft eine Rolle: z.B. „mein einziges Lied“, Der Bandname FINK, „der Vogel singt nur bis du nach ihm greifst“. Du hast vor kurzem Tom Waits zitiert: einen guten Song schreiben sei wie einen kleinen Vogel lebendig einzufangen … Wieso sind Vögel so zentral, welche Eigenschaften verbindest du mit ihnen?

 Vögel singen ohne Anspruch. Und sie fliegen! (also die meisten)

  • Welche Beziehung hast du zum Medium Internet und sozialen Netzwerken?

Es ist ein Fluch und ein Segen! Ich versuche mich  vor dem Gefühl zu schützen, ständig verfügbar und erreichbar zu sein / sein zu müssen. Die Flut von Informationen, Anforderungen, Angeboten, Anfragen und dazu der ganze Spam macht mich nervöser als ich sein sollte.

  •  Schaust du gern in deinen (Mail)- Briefkasten?

Meistens eher nicht. Außer ich erwarte konkrete gute Nachrichten.

  •  Musik wird immer stärker in mp3-files/Downloads konsumiert. Als Musiker denkt man sicher in Alben-Konzepten. Siehst du den Tod des klassischen Albums/physischen Tonträgers bevorstehen? Würde dir Musikmachen noch Freude bringen und sich rentieren, wenn diese Tendenz anhält?

Musik machen hat ja erstmal nichts mit der Form der Veröffentlichung zu tun. Musik machen wird mir sicher auch weiter Freude machen. Und wenn es eine Sammlung von Songs gibt, die  aus guten Gründen die Form einer Sammlung (Album) haben sollen, dann wird auch das sicher irgendwie möglich sein.

Vielleicht werden sich auch  zukünftig andere spannende Möglichkeiten der Veröffentlichung bieten.

  • Für mich zentral: „Den Himmel sehn wir uns an hier und jetzt“, „davor ist nichts und danach“ – Dahinter steht eine atheistische, sogar nihilistische Grundhaltung. Du giltst als gelassen, nicht verhaftet an materielle Dinge oder Eitelkeiten. Aber auf der Suche nach der Essenz.   Gibt es etwas, dass deine Lebenseinstellung wesentlich geprägt hat? Dein Lebensumfeld, bewusstseinserweiternde Erfahrungen? Hast du dich mit bestimmten Philosophien oder Religionen jemals intensiver beschäftigt?

Zum ersten Teil der Frage : Ganz sicher! Zum zweiten Teil der Frage : Ja, Nee.

  •  Luxus ist für dich …?

Luxus habe ich noch nie begriffen. Ist das eine knappe Resource , die mich durch ihren Besitz glücklicher als die anderen macht? Falls Luxus mich glücklich machen kann, bin ich auf alle Fälle dafür.

  • Tino Hanekamp hat den Pressetext zu deinem Album „Caruso“ verfaßt. Du bist als Musiker regelmäßig im Ü&G zu Gast. In seinem Buch „Sowas von da“ kommst du am Rande auf einer Setlist vor. Wenn das Buch verfilmt würde und man dir eine Rolle einräumte– würdest du sie als Schauspieler annehmen?

Ehrlich gesagt habe ich da keine Ambitionen. Als Abenteurer würde ich  dann einfach die Rolle nehmen die man mir zuweist.

*Abschließend  an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Nils für die Einblicke & Ausblicke und das bereitwillige & geduldige Beantworten der Fragen! *


Konfetti und Applaus! Nils Koppruch & Gäste im Knust

Das KNUST war bereits gut besucht, als Nils Koppruch gegen 21:00Uhr die Bühne betrat und seinen Gast, die One-Man-Vorband „Daantje & the golden handwerk“ aka Joachim Zimmermann persönlich vorstellt. Das Hamburger Publikum zollte ihm von den ersten Takten an konzentrierte Aufmerksamkeit. Es brauchte „Nicht viel“ an diesem Abend, um glücklich zu sein. Daantje, ausgerüstet mit einem Post-it als Setliste, etwas Mineralwasser und einer akustischen Gitarre schien beim überraschten Blick über den Brillenrand angesichts der vollen Bude seinen Augen selber kaum zu trauen. „Ihr seid so ruhig!“ stellte er zwischendurch ungläubig fest. Der Standard-Satz, mit dem sich Support-Acts gelegentlich für das unhöfliche Gequassel ihres Publikums entschuldigen, also: „Ich weiß ja, eigentlich wartet ihr ja auf Nils Koppruch“, war leicht überflüssig, denn was der sympathische Stuttgarter trotz Krampf in der linken Hand minimalistisch auf die Bühne brachte wurde bejubelt und mit Zugabe-Wünschen quittiert.

 

daantje & the golden handwerk 

Setlist "nicht viel"

Gut vorgewärmt gibt Nils Koppruch & Der Wald dann das Hauptprogramm. Der Beipackzettel (s.u.) kürzt ab, was in Worten zu langatmig wäre. Man ließ die Sache erstmal gemach angehen, aber bereits beim Song „Caruso“, den Nils als aufklärende Berufsberatung ankündigt, ist richtig Schmiss im Spiel. Der Refrain „Feuerwerk und Rauch“ zündet akustische Pyrotechnik. „Das nächste Lied spielen wir solange, bis sich mindestens drei Pärchen küssen“. Leider fiel „Komm küssen“ dann  recht knapp aus, denn Nils meinte (und der muß es ja wissen): „Die Hamburger sind schnelle Küsser. Wir haben das Lied schon mal eine Viertelstunde gespielt …  in Braunschweig.“

Das nächste Highlight bildet definitiv „Shuffle und Kompott“, es swingt herzerfrischend und wenn Oliver Stangl am Pedal Steel elegant mit den Hülsen schwooft und gemeinsam mit Bassman Lars Paetzelt ins Mikro trällert „… er macht Feuer und bewacht den Topf“ gerät der Most so richtig in Gärung.

Die schwer groovende Live-Version von „Den Teufel tun“ hat mit dem meditativ-bedächtigen Album-Track nicht viel gemein, jedenfalls geht sie in die Beine.  Bei „Talking Darum Blues“ ist froh, wer gerade ein Bier in Reichweite hat, um sich einen tiefen Schluck auf das Leben und den Tod zu genehmigen. Trommler Christoph Kähler treibt die Geschwindigkeit mächtig an, so lauscht man bei „Mit eigenen Augen“ , gespannt, ob Nils beim Singen von Textzeilen wie „mit dir an einem neuen Morgen will ich auf die Sonne warten“ wie eine Schwalbe über´s Wasser jagt oder sich doch eher am Ufer verfängt. Jedenfalls hat die Nummer etwas vom Koffein-Kick eines Instant-Kaffee.

Zwischen den Songs schickt Nils ein paar Grüße ins Publikum für die anwesenden Musiker, die bei der Produktion des CARUSO-Albums geholfen hätten (- er selber habe ja kaum was dran gemacht-) und bedankt sich beim Label Grand Hotel van Cleef für die Neuauflage der unlängst vergriffenen CD „Den Teufel tun“.

Für die Songs  „Knochen und Fleisch“ sowie „Die Aussicht“ wird dann Überrraschungsgast Nr. 2 auf die Bühne gebeten, wobei dieser ja irgendwie doch erwartet wurde: Gisbert zu Knyphausen, der sich mit dem Auftritt quasi auch für Nils Besuch bei seinen jüngsten KNUST-Konzerten bedankt. Das Schöne an Live-Musik sind vor allem die unvorhergesehenen Momente: mitten im Song setzt Nils an zur Strophe „… ich sag dir vorher ist da nichts und danach“, schaut rüber zu Gisbert, lacht … und damit wäre der Text vergessen. Beim zweiten Anlauf in die Strophe klemmt der Text erneut. Den dritten Anlauf übernimmt Gisbert schnell entschlossen und bringt den Song nach Hause, was Nils ihm später mit einer Umarmung dankt.

Die Stimmung ist großartig, in den ersten Reihen wird ausgelassen getanzt, Freude auf und vor der Bühne. Die Band ist in Hochform, scheint Energie in Geschwindigkeit umzusetzen, denn alle folgenden Songs, besonders „Verrückt vor Liebe“  wirken irgendwie beschleunigt. Sogar Material wird an diesem Abend verschlissen: bei einem der letzten Stücke vor der Zugabe reißt eine Saite von Nils Gitarre!

Die Setlist endet, aber nach „Stadt in Angst“ ist natürlich längst nicht Schluß. Vier weitere Zugaben folgen z.B. „Staub und Gold“ in der ausgedehnten Kraut-Rock-Variante. Das Konzert gipfelt beim Song „JaJaJa“ , denn alle Musiker des Abends stehen  noch einmal auf der Bühne. Christoph Kähler verläßt das Schlagzeug um als Trio mit Gisbert und Daanje die swingende, klatschende Rhytmusgruppe zu bilden. Das Publikum steigt klatschend in den Rhythmus ein. Ein  einmaliges Bild, das das Konzert in einem grandiosen Finale abschließt. Zum Abschied spielt Nils solo noch den alten FINK-Klassiker „Kleines Grünes Haus“, ein Stück, das ursprünglich dem abgerissenen Club „Heinz Kramers Tanzcafé“ gewidmet war.

Was 400 Gäste am Samstag im vollen KNUST in Hamburg erlebten war auf jeden Fall tosenden Applaus wert und für künftige Shows mit Nils Koppruch & Der Wald sollte eine Tüte Konfetti mit ins Handgepäck! Weiterhin plädiert die hier Schreibende für eine Fortsetzung der Live-Konzerte, denn der Most ist dick, will sagen: es scheint sich herum zu sprechen (steigende Besucherzahlen!), daß man bei Koppruch-Konzerten eine wunderbare Packung Musik mitnimmt, die irgendwie und nachhaltig glücklich stimmt. Dranbleiben!

Das Auge hört mit! – Fotos © Astrid Mönch-Tabori


Nils Koppruch @ Fest van Cleef Mainz

Geschrieben wird viel über das diesjährige Fest van Cleef Jubiläum. Statt an dieser Stelle erneut den Ablauf im Einzelnen zu schildern oder Nörgeleien über Sound, Bands und Verpflegung abzulassen möchte ich einfach mal dem Grand Hotel van Cleef und allen Beteiligten ein großes Lob aussprechen für diese imposante Veranstaltung. An vier Abenden in Folge wurde teils über 1500 Besuchern ein reichhaltiges Programm geboten, dafür waren 55 Menschen in drei Nightlinern mit zwei Anhängern  Equipment und Catering quer durch Deutschland trotz heikler Wetterverhältnisse unermüdlich unterwegs. Es hat großen Spaß gemacht, dabei sein zu können!

Nun aber zum großartigen Auftritt von Nils Koppruch:  Es gibt Kritiker, die halten ihm  vor, er habe keine Sing-Stimme. Thees Uhlmann hingegen, der alle Konzerte an diesem Abend anmoderierte, empfahl in seinen warmen, einleitenden Worten, den Alben von Nils über Kopfhörer zu lauschen, denn gerade Nils Stimme sei einzigartig und drücke sehr viel aus.

Auf der Bühne 2 der Phönixhalle, vor imposanter Kulisse und gefüllter Halle, spielte Nils Koppruch im Duo mit Bassist Lars Paetzelt eine sehr gelungene Show, die mit gut 35 Miunten planmäßig, aber viel zu kurz ausfiel.

Nils begrüßt sein Publikum: „Das GHvC hat keine Kosten und Mühe gescheut, für euch diese wunderbare Kulisse hier aufzubauen“ (gemeint war das Labyrinth aus Rohren, das natürlich zum fixen Inventar  der Halle gehört.) „Von dahinten sehe ich vielleicht aus wie ein Zwerg – ich hab eben auch dort gestanden – aber das stimmt nicht.“

Zum Auftakt spielen Nils Koppruch und Bassist Lars Paetzelt für die niedergeschlagenen Fußballfans des FC St.Pauli, der aktuell eine hohe Niederlage einstecken mußte, den Song  „Noch nichts ist verlorn“. Nils erläutert augenzwinkernd, er habe dies als Fußballhymne geschrieben, die bislang aber niemand haben wollte. Der Aufforderung zum Mitsingen folgt das Publikum gerne und es entsteht soetwas wie Stadionatmosphäre. Es folgt das berühmte, nützliche Lied, mit dem man jemandem etwas sagen kann, von dem man weiß nicht recht weiß wie, „… ich schenk es euch“: „Komm küssen“.  Weiterhin hören wir „Armer Junge weint, armes Mädchen auch„, das Fink-Stück „Irgendwann Regen“ und „Stadt in Angst„.

Nils erzählt die Entstehungsgeschichte zu „Vergessen, was ich wußte“. Eine alte, offensichtlich verwirrte Frau bat ihn um Hilfe, ihr Haus wieder zufinden. Ein Song, gespielt mit Banjo, vorgetragen mit eindringlicher Stimme, der immer live wieder Gänsehaut verursacht.

Für „Den Teufel tun“ erschien Tim Neuhaus als Gast mit Harmonium, um mit  einem sanftem Klangteppich zu untermalen, der leider soundtechnisch ein wenig unterging. Anschließend wurde der Kollege Gisbert zu Knyphausen unter Jubel aus dem Off der Bühne hervorgebeten, um Mundharmonika und Zweitstimme beizusteuern.  „Habt ihr Lust zu pfeifen?“ ging die Frage ans Publikum, das mit gespitzen Lippen viesltimmig flötend mit der Band einstimmte.  Nils zückt eine Kamera aus der Hosentasche und macht vom Publikum ein Fotos fürs Archiv. Kommentar: „Dahinten hat jemand gewackelt!“

 

Final beendet das Single-Stück „Kirschen“ ein Konzert, das für einige als heimliches Highlight des Abends galt. Nils Koppruch, der auch die komplett andere Welt der kleinen, lausigen Musik-Clubs kennt („Caruso-Buden“), hat seinen Auftritt in einer Phönix-Halle, die sicher auch dem italienischen Namenspaten des aktuellen Albums „CARUSO“ zugesagen würde , sichtlich genossen. Wer diesen Auftritt wartend in der Bierschlange vertan hat, verpaßte eines der besten Koppruch-Konzerte der letzen Jahre.

 


Frankfurt feiert die Knyphausen & Koppruch Allstars

Genau einen Tag vor dem Konzert mit Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch im Frankfurter Club „Das Bett“ wurde der Vorverkauf eingestellt. Der Club, der 450 Personen faßt, war ausverkauft. Seit Neueröffnung des „Bett“ im Gallusviertel haben das nur wenige Musiker geschafft. Bereits eineinhalb Stunden vor dem offiziellen Konzertbeginn harrten die ersten Zuschauer in Hoffnung auf die besten Plätze vor verschlossenen Türen im Regen aus. Als das Konzert ziemlich pünktlich gegen 21:00Uhr begann, war die Halle dicht gefüllt.

Die allgemeine Unsitte, den Support als Untermalung der eigenen Konversation mit Mißachtung zu strafen, fiel diesmal komplett aus. Als Nils Koppruch die Bühne betrat und mit wenigen Worten sich und den ersten Titel „Vergessen, was ich wußte“ vorstellte, verstummten die Gespräche, die Aufmerksamkeit der Zuschauer war greifbar.
Nils begann den Abend mit „In die Stille“, einer Soloversion von „Kirschen“ , „Armer Junge weint …“ und „Den Teufel tun“. Koppruch, der gemeinhin auch nicht als extrovertierter Entertainer gilt, kommentiert: „Das nächste Stück ist ein Lied mit Gebrauchswert. Das hat in Frankfurt auch schon mal funktioniert. Es heißt: „Komm küssen“. Während des Songs läuft Nils die Bühne ab, bleibt hier und da stehen, spielt ins Publikum und erklärt während des Songs: „Man muß sich seine Verbündeten suchen, wo man sie findet“. Verbündete hatte es an diesem Abend zu Hauf.
Es folgt „Hund“ ein frühes Stücke von FINK. Nach „Mit eigenen Augen“ bekommt Nils Unterstützung von Gunnar Ennen am Keyboard, an der Gitarre Jens Fricke und Utz Wellmann am Schlagzeug. Zu Feier des letzten gemeinsamen Abends spielten sie die Première und eine wunderbare Version von „Billiger Trick“, das ursprünglich 1999 auf dem FINK-Album Mondscheiner erschien.

Mit „Stadt in Angst“ schloß Nils das Vorprogramm ab: „Komm Baby, sag mir, daß du deine Tür aufmachst, der Teufel jagt mir mit der Gabel nach…“ Die Frankfurter hatten ihm definitiv die Tür aufgemacht.

Nach kurzer Umbau-, Bier- und Pinkelpause legten die Knyphausener los. Und es ging ohne Umschweife richtig zur Sache mit „Herzlichen Glückwunsch“, „Freund von Clischées“, „Erwischt“, „Hurra Hurra so nicht““, „Morsches Holz“. Das Anmoderieren von Songs ist nicht Gisberts Stärke, Fans kennen das. Allenfalls lächelt er scheu in die Menge und sagt etwas wie: „ihr seid sehr nett!“ Und postwendend antwortet immer jemand aus dem Dunkel: „Du auch!“ Ja so ist das. Und dann heißt es meist: „Wir machen dann einfach mal weiter mit dem nächsten Stück„. Als da wäre „Gute Nachrichten“ und „So seltsam durch die Nacht“. Das Stück „Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten“ spielt Gisbert solo. Überhaupt ist das Programm eine gute Mischung aus Dynamik und ruhigeren Stücken, in denen man Stecknadeln fallen hören könnte. „Verschwende deine Zeit“ ,“Hey“, „Flugangst“, „Grau grau grau“, „Kräne“, Sommertag. Der Song „Neues Jahr“ bekommt an diesem Abend eine sehr schöne Krautrockversion verpaßt, was konkret bedeutet, Gisbert nimmt mit der Gitarre Platz und eine extended version baut sich auf. Das Hauptprogramm beschließt „Gespenster“.

Nach kurzer Pause unter tosendem Applaus beginnt der ausgedehnte Zugabenteil des Abends, der noch einige Sahnestückchen bereithält: Zunächst spielt Gisbert den „Cowboy“ mit Gunnar Ennen am Pedal Steel. Dann widmet er „Der Blick in deine Augen“ als Liebeslied an alle Anwesenden und verweist auf die zum Lied passende Farbe (rosa!) seines neuen Gitarrengurts.
Der eigentliche Höhepunkt des Abends folgt, mit der Koppruch-Knyphausen-Allstars-Band : „Die Aussicht“, „Knochen und Fleisch“ werden mit Nils Koppruch als Frontmann gespielt, was neben dem Hörgenuß ein wunderbarer Anblick ist. Für Gisbert mögen ausverkaufte Hallen inzwischen selbstverständlich sein, Nils Koppruch merkt man die Freunde über die Publikumsfülle an.

Eine weitere Zugabe wird lautstark eingefordert mit polternden Schlägen auf die Bühne, es klirren sogar splitternde Flaschen. Gisbert besänftigt die Forderung mit dem solo gespielten Stück „Dreh dich nicht um“. Nach „Seltsames Licht“ verabschiedet sich die Band dann entgültig von der Frankfurter Bühne.

Was für ein euphorischer Abend! Und wer die Muße hatte noch ein Weilchen zu bleiben, bekam am Merch-Stand vom bestens gelaunten Nils Koppruch noch ein CARUSO-Poster mit Autogramm geschenkt.


„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ …

 … steht auf dem Umschlag der Zeitschrift, die Gisbert zu Knyphausen andächtig studiert. Erinnert ein wenig an müde Cowboys. Da sitzen zwei, die sind „heut schon ewig weit gelaufen“ und vielleicht tun ihnen die Füße auch schon weh, nach acht gemeinsamen Konzerten und tausenden von gefahreren Kilometern auf staubigen Straßen. Bevor sich ihre Wege heute nach dem Konzert im ausverkauften (!) Frankfurter Club „Das Bett“ trennen, gibt´s hier noch einen Fotogruß aus Wien.

Gisbert zu Knyphausen wird die Tour mit dem Support „daantje and the golden handwerk“ fortsetzen, während Nils Koppruch nach ein paar Tagen Verschnaufpause ab dem 15.November seine „CARUSO“-Tour mit Band in Deutschland und der Schweiz fortsetzt.
Seine Begleiter werden dabei „Das trojanische Pferd“ sein.


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